November 2017 - Interview mit Katis Buecherwelt

Im Interview mit Deniz Selek

 

 

 

WERBUNG] Folgendes kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung:

 

Meine Blog-Beiträge enthalten Verlinkungen zu Verlagen, Autoren und literarischen Agenturen, sowie zu Büchern auf Amazon (Affiliate-Link), Buecher.de, Audible und anderen kommerziellen Webseiten. Ich wurde für diesen Beitrag nicht bezahlt und habe ihn aus freien Stücken heraus veröffentlicht. Ich gebe immer meine ehrliche Meinung wieder und werde nicht inhaltlich beeinflusst.

 

 

© Jan Dommel
Name: Deniz Selek
Geburtsort: 1967 in Hannover
Wohnort: Berlin
Homepage: www.denizselek.de

 

Kinder: 4 davon zwei leibliche und zwei „erbeutete“
Genre: Jugend- und Erwachsenenromane

Ich mag: 
Ich liebe es bei Sonnenschein und blauem Himmel in der freien Natur zu sein. Meer, Strand, Wald und Wiesen mit möglichst wenig Menschen sind meine bevorzugten Orte, um aufzutanken, mich zu erden und neue Ideen zu finden. 
Ich liebe veganes Essen, insbesondere Grünzeug … bei der Menge an vertilgten Blättern, könnte man auf den Gedanken kommen, dass ich im früheren Leben eine Ziege war …
Wie bist Du zum Schreiben gekommen und gab/gibt es noch andere Berufe, die ausgeübt werden/wurden?
Ich wollte immer Schriftstellerin sein, es war von Anfang an mein Wunschberuf, und schon als Kind verfasste ich kleine Bildergeschichten. Bei einem Aufsatz in der elften Klasse, in dem ich meine deutsch-türkische Identität beschrieb, sagte meine Deutschlehrerin, dass ich gut schreiben könne, und dieses Lob war wie ein kostbarer Edelstein, aus dem viele Jahre später mein erster Jugendroman „Zimtküsse“ wurde.

Zwischen Abitur und Schriftsteller-Dasein studierte ich einige Semester Pädagogik, Germanistik und noch etwas, was ich mittlerweile vergessen habe … Ich arbeitete in einem kleinen Schuhladen, in der Gastronomie, als Flugbegleiterin, auf Messen und anderen Events. Weil mir ein abgeschlossenes Studium wichtig war und ich eine große Leidenschaft für Häuser und deren Gestaltung habe, studierte ich Innenarchitektur. Ich bin also offiziell Dipl.Ing. Innenarchitektin, arbeite aber nun hauptberuflich als Autorin.

© Deniz Selek; Schreibtisch
Wenn Du am Schreiben bist, wo tust Du es am liebsten und wie sieht Dein Arbeitsplatz aus?
Am liebsten sitze ich an meinem über 100-Jahre alten Schreibtisch (siehe Foto), der zwar völlig unergonomisch ist und mir gerade zu Abgabezeiten ordentlich Nackenschmerzen bereitet, aber so schön ist, dass ich ihn nicht missen möchte. Daneben schreibe ich gerne Notizen in schöne Bücher, die meine Tochter für mich gestaltet. Der Ort ist egal, Eingebungen habe ich überall.

Wenn Du gerade nicht an einem Buch schreibst, was machst Du gerne in Deiner Freizeit?
Neben dem Schreiben habe ich in diesem Jahr begonnen, Komparsenrollen beim Film anzunehmen. Das macht total viel Spaß, zumal man am Set oft nette Menschen kennenlernen, Filmluft schnuppern und auf neue Gedanken kommen kann. Eigentlich hat aber auch das wieder mit Schreiben zu tun, weil ich da sofort über mögliche Drehbücher, Dialoge und Handlungen nachdenke … Ok, Freizeit … habe ich Freizeit, die nichts mit Schreiben zu tun hat? Kaum. Mein Beruf ist auch mein liebstes Hobby, und das ist herrlich facettenreich. Ob Spiritualität, Meditation, Hypnose, alternativer Medizin, Ernährung, Pädagogik, Philosophie oder Verhaltensforschung. Alles fließt in meine Bücher ein. Ich interessiere mich für Lebensgeschichten, Familienstrukturen und Beziehungsgeflechte aller Art. Das Wann-Warum-Wie finde ich extrem spannend.

Ich mag tiefgründige Filme, Komödien und Liebesgeschichten. Mit meinen Kids gucke ich aber auch gern „Krach-Bumm-Blockbuster“. Ich liebe Malen, Zeichnen und Modellieren. Ich liebe es zu Reisen, Häuser/Gebäude zu besichtigen oder frei nach Astrid Lindgren: Einfach vor mich hin zu schauen ... Nur das Lesen kommt seit Jahren bissl kurz …

© Deniz Selek; Komparse Berlin
Wenn Du selbst als Leserin unterwegs bist, welche Bücher liest Du am liebsten und was eher gar nicht?
Am liebsten lese ich Biografien und wahre Geschichten, Sachbücher, Kinder- und Jugendromane, Reportagen und Reiseberichte. Krimis, Horrorgeschichten und Dystopien sind nichts für mich, weil sie mich zu sehr belasten und ich die Bilder aus meinem Kopfkino nie wieder loswerde.

Hast Du einen Lieblingsfilm oder ein Film der Dir aus deiner Kindheit gerade spontan einfällt, der gerne gesehen wurde und weshalb?
Es ist abgedroschen, ich weiß, aber ich hätte als Kind rund um die Uhr Pippi Langstrumpf gucken können. Vielleicht weil sie mit ihrer Stärke, ihrem Mut und ihrem Frohsinn wie ein schützendes Pflaster gegen übermächtige Erwachsene wirkt. Ich denke, jedes Kind fühlt sich irgendwann den Eltern oder anderen Personen ausgeliefert und wäre dann nur zu gern wie Pippi, die einfach so frech, frei und wunderbar ihr Ding macht!

Wenn Du ein Tier wärst, welches wäre es und weshalb?
Definitiv eine Katze! Weil sie autark und selbstbestimmt ist. Weil sie weich ist und Behaglichkeit verbreitet wie kein anderes Tier, und natürlich weil sie so göttlich SCHNURRT! Und ja auch, weil sie sich nie nie niemals in übelst stinkenden Kadavern wälzen würde (im Gegensatz zu unserer netten Hundelady … )!!!

Gibt es ein Sprichwort, welches Dich durch Dein Leben begleitet?
Folge immer deinem Herzen, es hat schon geschlagen bevor du denken konntest.

Gibt es ein Lieblingsreiseziel, wenn ja welches und warum gerade dieses?
Es ist kein örtlich gebundenes Ziel, ich bin nur immer am allerliebsten am Meer. Seine urzeitliche Energie, die ewige Bewegung, das vertraute Rauschen der Wellen, der Geschmack von Salz, der Duft von … ach, lies einfach „Die Frauen vom Meer“, da steht das alles drin … smile ...

10 Dinge, die Du in Deinem Leben noch erreichen oder gerne tun möchtest!
  • Mein Wunschhaus kaufen und selbst sanieren 
  • Ganz oben in der Spiegelbestsellerliste stehen 
  • Die Verfilmung meiner Geschichten begleiten 
  • Drehbücher schreiben 
  • Model in einer tollen Modestrecke sein 
  • Gesangsunterricht nehmen 
  • Surfen lernen 
  • Ein Haus am Meer besitzen 
  • Fröhlich und gesund über 100 werden 
  • Bis zum Schluss Bücher schreiben

Eine peinliche Situation, worüber Du heute lachen kannst?
Gerade erst passiert! Ich bin zum 60 igsten Geburtstag bei Zwillingsbrüdern eingeladen. Mit einem bin ich gut befreundet, den anderen habe ich viele Jahre nicht gesehen. Letzteren begrüße ich nun am Eingang und frage ihn, wo denn das Geburtstagskind ist … FAIL! Zum Glück konnten wir beide darüber lachen!

© Deniz Selek; Feld/Wiesen Berlin 
Von Istanbul über Berlin nach Hannover - Wie kam es dazu und was schätzt du an beiden Orten?
Vieles davon findet sich in meinem Roman "Die Frauen vom Meer", der ja auf wahren Begebenheiten beruht. Nach meiner Geburt in Hannover sind wir nach Istanbul gezogen, weil mein Vater Militärdienst leisten musste. Drei Jahre später war er fertig und bekam in Hannover eine Stelle als Architekt. Dort habe ich die meiste Zeit meines Lebens verbracht. Die vergangenen sieben Jahre war ich mit meiner Familie in Berlin, habe mich jedoch immer wieder nach Hannover gesehnt. Nach dem Vertrauten, nach Familie, guten alten Freundinnen und Freunden und auch nach den kurzen Wegen in der kleinen Stadt … Und so bin ich dann wieder nach Hause zurückgekehrt. Istanbul ist der zweite Ort, der mir sehr viel bedeutet. Ebenso vertraut, doch auf einer anderen Wahrnehmungsebene, viel älter, viel emotionaler und zum Teil auch mit dem Verstand nicht greifbar, weil das Fühlen in der Kindheit zwischen 1-3 Jahren stärker ist als das Denken. Istanbul nehme ich intuitiv wahr, werde wieder zum staunenden kleinen Kind, wenn ich dort unterwegs bin, wenn Geräusche, Gerüche und Bilder alte Erinnerungen wecken. Fast wie in einer Traumsequenz.

Was ist dein türkisches Lieblingsgericht?
Oh, da gibt es einige: gebratene Zucchini/Auberginen, gefüllte Weinblätter, gefüllte Paprika, Bohnen, Linsen und Kichererbsen in jeder Form. Nicht zu vergessen die Süßspeisen! Die türkische Küche ist extrem vielseitig und ebenso aufwändig! Meine allerliebste türkische Speise ist allerdings kein Gericht, sondern eine Backware. Nichts geht über ein frisches, ofenwarmes, knuspriges Simit (Sesamkringel), wirklich nichts! Dazu brauche ich nicht mal den obligatorischen schwarzen Tee ...

Bist du streng erzogen worden oder gab es besondere familiäre Traditionen, die du heute noch weiterführst?
Nein, ich hatte das große Glück behütet und gleichzeitig frei und selbstbestimmt aufzuwachsen. Meine Eltern haben gut auf uns Kinder aufgepasst, dennoch haben wir an allen Unternehmungen in der Schule und im Freundeskreis teilgenommen. Sie waren beide weder religiös noch traditionsgebunden, das hat mir Vieles erleichtert.

© Deniz Selek
Welches Buch schlummert heute noch in deinen Gedanken und was liegt auf deinem Nachttisch?
Sich da festzulegen ist nicht leicht! Lange im Gedächtnis geblieben sind mir die „Vier Schwestern“ von Malika Ferdjoukh (Vierbändige Jugendserie um Enid, Hortense, Bettina, Geneviève). Ganz wundervoll mit französischer Aura geschrieben! Dann natürlich Klassiker wie „Das Parfüm“, „Schlafes Bruder“, „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ oder „Salz auf unserer Haut“. Wie gesagt, ich habe viele alte Lieblinge! Zur Zeit lese ich Jens Andersens „Astrid Lindgren“ - Biografie und parallel dazu vom Hirnforscher Gerald Hüther „Rettet das Spiel!“ Zwei absolut großartige Bücher!

Erzähle uns doch etwas über Dein aktuelles Buch. Wie ist die Idee entstanden? Wie sahen die Recherchen dazu aus?
Ich wollte nach "Die Frauen vom Meer" unbedingt eine Liebesgeschichte schreiben. Habe ich schon erwähnt, dass ich Liebesgeschichten liebe? Gerade wenn sie ein bisschen ungewöhnlich sind. Da ich vielleicht aufgrund meiner Herkunft zu Sehnsucht neige, sollte diese unbedingt Teil des Romans sein. Sehnsucht und auch eine Spur Melancholie, diese Mischung bringt mein Herz zum Schwingen ... Zufällig stieß ich auf einen Artikel über ein Paar, dass sich im Kindergarten kennengelernt und nun geheiratet hat. Damit hatte ich meine Geschichte. Istanbul und zwei dort lebende deutsch-türkische Familien waren als setting schnell gefunden, zumal es als ich klein war und in Istanbul lebte, tatsächlich eine andere deutsch-türkische Familie in unserer Straße gab. Das Alter des Sohnes hätte auch gepasst … Gemixt mit eigenen Erfahrungen aus meiner Jugend und manch späterem Erlebnis war die Handlung von „Die Farben im Spiegel“ komplett. Ich gebe zu, dass ich wahnsinnig gern Alev gewesen wäre… Aber auch wenn sich die Geschichte so nicht zugetragen hat, ist doch jedes Gefühl absolut echt, pur und in der beschriebenen Tiefe empfunden. Und ich denke, das merkt man der Geschichte deutlich an.

Hattest Du beim aktuellen Buch ein Mitsprachrecht bei der Covergestaltung? Und wie gefällt es Dir persönlich?
Bei „Die Farben im Spiegel“ wurde mein Titel angenommen! Das war ganz ganz wunderbar, weil ich finde, dass dieser sehr gut zur Geschichte passt, poetisch ist und Raum für Interpretationen lässt. Das Cover habe ich vom ersten Anblick geliebt und hätte nichts daran ändern wollen. Beides ist jedoch nicht selbstverständlich. Titel und Cover sind Glatteis-Flächen für Verlage und Autoren ...

© Deniz Selek; ihr Hund
Wie lange schreibst Du durchschnittlich an einem Roman? Und wie sieht der Werdegang von der Entstehung der Idee bis zur Veröffentlichung aus?
Ein Jugendroman dauert in der Regel etwa 3-4 Monate, für meine beiden Erwachsenenromane habe ich mit einem Jahr und anderthalb Jahren (inklusive Recherchezeit) jedoch deutlich länger gebraucht. Die Ideenfindung beginnt bei mir immer mit einem starken Gefühl, das in eine bestimmte Richtung weist. Meist ist es schon lange da und wartet nur auf den richtigen Augenblick sich zu offenbaren. Wenn ich darauf aufmerksam werde, gehe ich regelrecht in mich. Mache spezielle Herzmeditationen (siehe Internetseite: www.denizselek.de/schreibtipps übrigens auch toll, wenn man nicht schreibt!), höre also wirklich auf das, was mein Herz zu sagen hat. Das kann eine Weile dauern oder auch ganz schnell gehen. In dieser Zeit lasse ich mich bewusst „treiben“, wie ein Floß auf dem Meer. Ich weiß, dass ich zur richtigen Zeit auf die richtigen Informationen stoße, die ich für die Geschichte brauche. Bisher hat das immer sehr gut geklappt.

Wenn Idee und Handlung stehen, schreibe ich ein ausführliches Konzept und eine Leseprobe, damit sich die Verantwortlichen im Verlag ein Bild davon machen und entscheiden können, ob sie es verkäuflich finden und veröffentlichen wollen. Wenn das OK da ist, wird ein Vertrag aufgesetzt, den mein Agent prüft, gegebenenfalls nachbessert und mir dann zur Unterzeichnung schickt. Sobald das erledigt ist, beginne ich zu schreiben und habe dann auch schon ein Abgabedatum, zu dem der Roman fertig sein muss. Nach der Abgabe geht es ins Lektorat und zur Überarbeitung, die ich mit meiner Lektorin zusammen mache. Parallel dazu stimmen wir uns über Titel- und Cover-Vorschläge ab. Im besten Fall sind wir uns schnell darüber einig. Etwa ein dreiviertel Jahr danach erscheint dann das neue Buch.

© Deniz Selek; Wald Berlin
Die neue Generation ist das ebook, was hältst Du persönlich davon und wie siehst Du die Entwicklung?
Ich denke Ebooks sind aus der Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken und im Hinblick auf die
Schonung von Ressourcen, enorm sinnvoll. Auch beim Thema Platzsparen, Downsizen, Benutzerfreundlichkeit/ Lesbarkeit sind sie ganz vorn dabei. Ich selbst habe mich im Laufe der vergangenen Jahre von Dreiviertel meiner gedruckten Bücher getrennt, nur noch absolute Lieblinge behalten. Wenn ich mich dem Lesen richtig hingeben will, kaufe und lese ich allerdings immer noch vom Papier.

Momentan wird das Thema Selfpublishing sehr heiß diskutiert, was hältst Du davon? Wenn Du selber dazu gehörst, weshalb hast Du Dich dazu entschieden?
Das ist wirklich eine kontroverse Sache. Einerseits finde ich es gut, wenn wir Autoren die Möglichkeit haben auch unabhängig von Verlagen unsere Geschichten an die Leser zu bringen. Das schafft viel Freiraum und kann, wenn es gut gemacht ist, extrem erfolgreich sein. Bewundere ich! Andererseits weiß ich aber auch die Arbeit meiner Lektorinnen in den Verlagen sehr zu schätzen, die zum Teil wie Löwinnen für ihre Autoren und die Eigenständigkeit ihrer Werke kämpfen. Die nicht nur Ungereimtheiten und Fehler aufdecken, sondern auch immer wieder für die Schärfung und Verbesserung unserer Texte sorgen. Abgesehen vom umfangreichen Marketing, das man als Selfpublisher dann neben dem Schreiben auch noch zu leisten hat. Derzeit kann ich mir das nicht vorstellen.
Hier findet Ihr Katis Bücherwelt

März 2017 - Interview mit dem RBB-Fernsehen

 

Erdoğan spaltet - Deutschtürken in der Krise

 

Die Bilder von wütenden Erdogan-Anhängern in Deutschland haben viele Menschen besorgt. Die Spaltung der Türkei ist längst bei den Deutschtürken angekommen. Kritiker Erdogans werden auch in Deutschland vom türkischen Geheimdienst ausspioniert.

Wie kann es sein, dass Menschen, die hier schon seit Jahrzehnten mit Demokratie und Menschenrechten leben, diese Freiheit zugunsten eines autoritären Systems aufgeben wollen?

Hier geht's zum Beitrag von Helge Oelert

 

 

Januar 2017 - Interview im RENK-MAGAZIN

War ein schöner Vormittag mit den lieben Leuten von renk.

 

renk. ist ein preisgekröntes, innovatives Onlinemagazin über deutsch-türkische Kunst und Kultur. renk. ist Türkisch und heißt „Farbe“.

 

Hier könnt Ihr das Interview auf der renk.-Seite lesen

 

Literatur als interkulturelle Brücke – Zu Gast bei Autorin Deniz Selek

 

Von Rumänien nach Istanbul, vom Schwarzen Meer an die Ostsee: Die Autorin Deniz Selek hat in ihrem jüngsten Roman die Geschichte ihrer tatarischen Urgroßmutter, türkischen Großmutter sowie ihrer deutschen Mutter verarbeitet – und nicht zuletzt auch ihre eigene. Nachdem sie zuvor eine Reihe an Jugendbüchern veröffentlicht hat, ist mit Die Frauen vom Meer 2016 ihr erster Roman für Erwachsene erschienen. Wir haben Deniz besucht und mit ihr über ihre Familiengeschichte, die Recherchearbeiten für den Roman und Literatur als Mittel der Völkerverständigung gesprochen.

 

In fast allen deinen Büchern spielt Istanbul eine Hauptrolle. Was verbindet dich mit der Stadt?

 

Istanbul ist Teil meiner Seele. Die Gerüche, die Geräusche, die Farben, die Wärme, das Licht, das Meer, die Menschen, die Sprache, alles habe ich in meinen ersten Lebensjahren aufgesogen. Alles habe ich abrufbereit im Ohr, vor meinem inneren Auge, zum Teil körperlich spürbar. Auch wenn ich dort heute nicht mehr leben möchte, ist Istanbul nach wie vor mein Synonym für unbeschwerte, zutiefst glückliche Kindheitstage. Ich fahre immer wieder hin, um die Atmosphäre zu erleben, mich treiben zu lassen und ein bisschen nach Hause zu kommen. Ich liebe Istanbul, die Verbindung ist essenziell.

 

Du hast zunächst Germanistik und Pädagogik und anschließend Innenarchitektur studiert. Wie kam es dazu, dass du Schriftstellerin wurdest?

 

Es ließ sich einfach nicht mehr unterdrücken, es war mein größter Wunsch, seit jeher. Ich wollte immer Schriftstellerin sein, wusste aber lange nicht, wie ich das anstellen sollte. Nachdem all meine Texte von Verlagen abgelehnt wurden, studierte ich erst einmal, arbeitete, gründete eine Familie und bekam Kinder. Nebenbei schrieb ich weiter journalistische Artikel, redaktionelle Beiträge und Texte für gemeinnützige Organisationen. Irgendwann war die Idee da, von der ich intuitiv wusste, dass ich damit bei einem Verlag landen würde. Die ersten Zeilen für die Geschichte lieferte mir ein alter Deutschaufsatz aus der elften Klasse. Darin ging es um mein türkisch-deutsches Ich, und wie zwiegespalten ich mich oft fühlte. Es dauerte zwar noch über zwanzig Jahre, bis daraus mein erster Jugendroman Zimtküsse wurde. Doch dann war ich in der luxuriösen Lage, mir den Verlag aussuchen zu können.

 

Deinen jüngsten Roman Die Frauen vom Meer bezeichnest du als dein „Herzensbuch“. Warum?

 

Die Frauen vom Meer trage ich ebenfalls schon sehr lange mit mir herum. Eigentlich waren sie von vornherein da. Entstanden in den ersten Kindheitsjahren in Istanbul, wo ich mit jenen Frauen lebte, die mich am stärksten geprägt haben: Meine deutsche Mutter, die im zweiten Weltkrieg geboren wurde, hatte einen ebenso großen Einfluss auf mich wie meine türkische Großmutter und meine Tante, deren Vorfahren ursprünglich in Rumänien lebten. Es ist ein Herzensbuch, weil ich ihnen darin nachspüre, und das ging mir buchstäblich ans Herz. Ich bekam eine völlig neue Sicht auf das Leben meiner Urgroßeltern, Großeltern und Eltern. Und am Ende dann auch auf mein eigenes.

 

 

 

 

Davor hast du ausschließlich Jugendbücher veröffentlicht. War es eine große Umstellung für dich, für ein erwachsenes Publikum zu schreiben?

 

Nicht wirklich. Ich habe immer beide Genres im Blick gehabt und verschiedene Manuskripte begonnen, weil ich beides reizvoll finde. Im Jugendbuch kann sich meine jugendliche Seele austoben. Dort bin ich keinen Tag älter als fünfzehn, schreibe wie ich spreche, und konfrontiere die Erwachsenen mit ihren eigenen Unzulänglichkeiten. Ein herrliches Spielzeug! Im Erwachsenenbuch hingegen kann ich die ganze Bandbreite meiner Erfahrungen, Erkenntnisse und sprachlichen Eigenheiten nutzen. Da sind die erzählerischen und konzeptionellen Freiräume größer. Ein ebenso herrliches Feld!

 

Die Handlung von Die Frauen vom Meer spielt u.a. im Rumänien der 20er-, Pommern der 40er- sowie Istanbul der 60er-Jahre. Wie hast du die Nachforschungen zu den verschiedenen Schauplätzen und geschichtlichen Hintergründen angestellt?

 

Das war in der Tat nicht so ganz einfach, gerade was Rumänien in den 20er-Jahren anging, weil mir aus erster Hand niemand mehr etwas über die Zeit erzählen konnte. Einiges erfuhr ich von meinen Verwandten, aber ich bin auch selbst nach Constanta geflogen und habe dort die Bibliothek, das Museum und ein tatarisches Volksfest besucht. Das war aufschlussreich und wichtig, weil ich über das tatarische Volk so gut wie nichts wusste. Für den Teil in Deutschland habe ich die Erfahrungen meiner Mutter nutzen dürfen.

Natürlich war ich Dauergast in der Staatsbibliothek, habe mich durch Bücherberge gefräst und stapelweise Kopien nach Hause getragen. Denn es sind die vielen kleinen Details, die aus einer Beschreibung eine bestimmte Atmosphäre machen: Die einfachsten Fragen, wie „Was hat man 1920 in Rumänien oder 1943 in Pommern eigentlich genau gegessen?“ oder „Wie waren die Menschen eingerichtet?“, „Wie sahen Landschaft und Ortschaften zu der Zeit aus?“, „Was wurde angebaut?“, „Was war politisch los?“ Das Herausfinden der Lebensbedingungen und die Beantwortung solcher Fragen haben mich viel Zeit gekostet, obwohl im Buch letztlich nur wenig davon auftaucht. Istanbul in den 60er-Jahren war nicht mehr so schwierig, weil ich auf viele eigene Erfahrungen und unsere alten Familienbilder zurückgreifen konnte.

 

Du schilderst, wie die Frauen unter der Bevormundung durch ihre Familien und den Zwängen traditioneller Rollenbilder leiden. War es dir wichtig, diese spezifisch weibliche Perspektive aufzuzeigen?

 

Darüber habe ich so nicht nachgedacht. Ich fand einfach die Lebenswege der einzelnen Frauen interessanter als die der Männer. Gerade weil sie unter anderen Härtebedingungen leben mussten. Unfrei, abhängig, und immer darauf bedacht, aus dem dauerhaft herrschenden Mangel noch irgendetwas zu machen. Gerade meine Urgroßmutter, die in Die Frauen vom Meer Seza heißt, war eine sehr beeindruckende Persönlichkeit, von der ich unbedingt erzählen wollte. Als berufstätige Schneiderin am Theater war sie eine Ausnahmeerscheinung. Selbstbewusst, kreativ, mutig und mit einem großen Drang nach Selbstbestimmung ist diese Frau an der Engstirnigkeit der damaligen türkischen Gesellschaft gescheitert. Sie trug schon vor Atatürk kein Kopftuch.

Auch die Schwierigkeiten beim Verständnis von kulturellen Unterschieden werden im Roman thematisiert. Welchen Beitrag kann Literatur deiner Meinung nach auf diesem Gebiet leisten?

 

Ich denke, dass das Verständnis und die Empathie für Menschen aus anderen Kulturkreisen aus verschiedenen Quellen gespeist werden; aus Literatur, Film oder dem persönlichen Miteinander. Auch Musik und Kunst können eine emotionale Brücke schlagen. Über die Literatur und den Film gelingt es meiner Ansicht nach am besten, weil ich dort etwas Abstand zu „dem Fremden“ habe, zu mir unbekannten Sitten und Gebräuchen, in meinem eigenen Tempo Beobachtungen und Vergleiche anstellen kann, ohne zu einer direkten Reaktion gezwungen zu werden. Ich befinde mich in einem geschützten Raum, wenn ich über Charaktere einer fremden Kultur lese und mir Gedanken dazu mache. Gleichzeitig nehme ich geistig und emotional jedoch bereits Kontakt auf, fühle mich ein, lerne, was diese andere Gesellschaft ausmacht, wie ihre Gesetze sind etc. Damit erschließe ich mir eine neue Welt, die bestenfalls zu mehr Verständnis führt. Das geschriebene Wort gibt jedem ausreichend Zeit zum Nachdenken, zum Besinnen, zum Neugierigwerden und Interessiertsein. Deshalb bin ich sicher, dass Literatur ein sehr kostbares und unverzichtbares Werkzeug der Völkerverständigung ist.

 

Danke an Julia Marx und  Michael Kuchinke-Hofer!

August 2016: Interview in der Federwelt

Ein MUSS für uns Schriftsteller: Die Federwelt!

Mit Anke Gasch habe ich mich über das Schreiben zwischen zwei Kulturen, das autobiografische Schreiben und ungewöhnliche Inspirations-Methoden unterhalten. Das Interview ist in der Federwelt Nr. 119 August/September 2016 erschienen, und sicher interessant für alle, die sich intensiver mit dem Schreiben befassen möchten.

Lest mal rein!
(Für größere Schrift auf den Text klicken)

August 2015: Interview mit Katja's Bücher und Rezepte

 

Katja: Ich bin auf Sie durch eine liebe Freundin aufmerksam geworden, sie hat mir bereits von Lesungen erzählt, die sie erlebt hat. Daher sind Sie für mich eine unbekannte Autorin. Und so beginnt unser Interview mit meiner Bitte; etwas über Sie zu erzählen. Wie leben Sie? Was macht Sie glücklich und was traurig?

 

Deniz: Ja, wo fange ich an? Ich bin eine deutsch-türkische Autorin, lebe am Rand von Berlin, in einem ländlichen, fast schon provinziellen Stadtteil, der mir und meiner Familie sehr gut gefällt. Wald, Wiesen und Felder sind vor unserer Haustür. Das macht nicht nur unseren Hund, sondern auch mich schon einmal sehr glücklich! Unsere tolle Familie, meine Kinder, mein Beruf, alles Glück in reinster Form! Über Dinge, die mich unglücklich machen, denke ich so wenig wie möglich nach, um meine Kräfte lieber auf das Glücklichsein zu richten.

 

Katja: Sie leben mit Ihrer Familie in Berlin, einer riesigen pulsierenden Stadt. Wenn man diese Stadt besucht, was muss man unbedingt gesehen haben? Was sollte man an kulinarischen Köstlichkeiten probiert haben?

 

Deniz: Ich gestehe, ich bin kein Fan von klassischem Sightseeing. Ich würde jedem Berlin-Besucher empfehlen, sich einfach durch ein paar Stadtteile treiben zu lassen. Kreuzberg, Neukölln, Mitte, Prenzlauer Berg. Überall gibt es tolle Flohmärkte, über die man sich im Netz informieren kann. Der Flohmarkt am Mauerpark ist an den Wochenenden ein echtes Highlight, weil dort unter anderem viel Kleinkunst geboten wird. Pantomime, Musik, Akrobatik etc. Wirklich Klasse! Im Sommer ist für uns die „Thaiwiese“ am Fehrbelliner Platz ein Muss. Dort werden (am Wochenende) die köstlichsten asiatischen Gerichte vor den Augen der Gäste gekocht und verkauft. Das Chay Village in Schöneberg ist mein Lieblingslokal, weil es vegan/vegetarisch, vietnamesisch und unglaublich lecker ist.

 

Katja: Eigentlich stammen Sie aus der Türkei und Istanbul ist ihre Lieblingsstadt. Warum gerade Istanbul? Was begeistert sie so daran?

 

Deniz: Es ist nicht ganz leicht zu sagen, woher ich denn genau stamme ;). Mein Vater ist Türke, meine Mutter Deutsche, ich bin in Deutschland geboren und habe wichtige Jahre in der Türkei verbracht. Also sind beide Anteile in mir. Istanbul ist die Stadt meiner Vorfahren und die Stadt, in der ich als kleines Kind gelebt habe, die mich dementsprechend geprägt hat. Vielleicht sind es die extremen Kontraste in Istanbul, das ewig Lebendige, die überbordende Fülle von allem, das Laute und Impulsive. Einerseits das Weltoffene, Kreative und immer wieder Neue, andererseits die Traditionen, Dinge, die sich eben nicht ändern, auch wenn man zehn Jahre nicht dort war. Auch das hat manchmal etwas ungemein Gutes, Tröstliches und Vertrautes. Es ist die magische Atmosphäre der Stadt, von der ich nie genug bekomme.

 

Katja: Die Integration ausländischer Familien hier in Deutschland ist ja immer wieder ein großes Thema. Wie empfinden sie das? Muss mehr Integration erfolgen?

 

Deniz: Das ist eine komplizierte Frage. Ich mag das Wort Integration nicht besonders, weil es sich für mich anhört wie Passendmachen. Ich wurde nicht integriert, ich bin einfach in Deutschland aufgewachsen. Meine Eltern haben jedoch beide sehr darauf geachtet, dass wir Kinder korrektes Deutsch sprechen. Die Sprache des Landes zu beherrschen, in dem man lebt, ist ein wichtiger Faktor und der Schlüssel zu gegenseitigem Verständnis, denke ich. Daneben sollte jeder seiner Persönlichkeit, seinem familiären Hintergrund und seinen Erfahrungen entsprechend individuell bleiben.

 

Im Hinblick auf die schwierige Lage der vielen Flüchtlinge derzeit, bin ich aber ganz klar der Meinung, dass viel mehr Integration im Sinne von hilfsbereitem Miteinander stattfinden muss. In erster Linie von unserer Seite, weil wir oft mehr als genug besitzen, ein Dach über dem Kopf, genug zu Essen und einen sicheren Platz zum Leben haben. Wenn wir diese, zum Teil schwer traumatisierten Menschen in Asylantenheimen, Notunterkünften oder Parks sich selbst überlassen, bürokratische Hürden immer höher bauen, verstärken wir nur die Kluft zwischen ihnen und uns, die aus Unwissenheit und Angst besteht. Wenn wir ihnen aber in der Not helfen (in die wir selbst auch geraten könnten) und ihnen die Möglichkeit geben, sich mit all ihren Fähigkeiten sofort in unsere Gesellschaft einzubringen, lösen sich Grenzen und damit Ängste im Kopf und es bereichert uns alle. Davon bin ich überzeugt.

 

Katja: Gibt es türkische Traditionen, die von Ihrer Familie hier weitergeführt werden? Hat Ihre Familie vielleicht ganz eigene Traditionen über die Zeit entwickelt?

 

Deniz: Echte Traditionen würde ich nicht sagen, aber das türkische Essen in jedem Fall! Manchmal packt mich ein derartiger Heißhunger auf irgendetwas ganz Spezielles, das es natürlich hier und in unserem Stadtteil schon mal gar nicht gibt …

 

Katja: Was macht der perfekten Tag für Sie aus?

 

Deniz: Mein perfekter Tag ist sehr einfach. Sonnenschein, Sandstrand, 28° im Schatten und Meeresrauschen. Und ein gutes Buch.

 

Katja: Gibt es ein Lebensmotto? Oder ein Zitat, Spruch oder Weisheit, das sie begleitet?

 

Deniz: Da habe ich einige! Vielleicht trifft es das: Am Ende ist alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende!

 

Katja: Wie können sie sich am besten Entspannen? Haben sie besondere Hobbys oder Sammelleidenschaften?

 

Deniz: Bei guter Musik entspanne ich mich, bei einem Waldspaziergang und natürlich am Meer. Insbesondere, wenn ich dort ungestört bin. Mein Beruf ist mein Hobby und ich sammele schöne Steine, vom Meer geschmirgeltes Holz und frische Wiesenkräuter, je nach Saison.

 

Katja: Wie bereitet man sich auf einen „Schreibtag“ vor? Gibt es bestimmte Rituale, die sie vor dem Schreiben tätigen? Muss man zum Schreiben in einer bestimmten Stimmung sein?

 

Deniz: Da ich zu Hause arbeite, bedarf es bei mir keiner Vorbereitung. Außer einer Kanne schwarzen Tee. Das mit der Stimmung ist immer so eine Sache. Da ich eigentlich immer an einem Buch arbeite und Abgabetermine habe, kann ich nicht auf den Kuss der Muse warten. Ich schreibe einfach drauflos und meistens wird es gerade dann gut, wenn ich intuitiv schreibe und möglichst wenig nachdenke.

 

Katja: Würden Sie uns einen Einblick in ihr Arbeitszimmer gewähren? Wie sieht ihr Schreibtisch aus? Wo schreiben sie?

 

Deniz Selek_3

 

Katja: Wenn man, so wie ich, Sie als Autorin „neu“ entdeckt und etwas von ihnen lesen möchte – welches ihrer Bücher würden sie als Einstieg empfehlen? Und warum gerade dieses?

 

Deniz: Das ist als würden Sie wissen wollen, welches meiner Kinder ich am liebsten habe. Geht irgendwie bei mir nicht. Jedes steht für sich als Unikat, in das ich alles Herzblut gegeben habe, das ich zu der Zeit des Schreibens zur Verfügung hatte. Am meisten beschäftigen tut mich allerdings immer das aktuelle Werk.

 

Katja: Ist es für einen Autoren sehr wichtig, direkt mit dem Leser in  Kontakt zu kommen – sei es auf Lesungen, Büchermessen oder über die viel gepriesenen Social Media-Plattformen?

 

Deniz: Ich denke Lesungen, Buchmessen und andere Veranstaltungen sind sehr wichtig, um sich ins Gespräch zu bringen, gerade wenn man noch nicht so bekannt ist. Auch die sozialen Medien haben einen großen Effekt, man muss nur aufpassen, dass man beim Pflegen der Seiten, Bloggs etc. nicht zuviel Zeit investiert, die man eigentlich zum Schreiben und Ausarbeiten neuer Ideen benötigt.

 

Katja: Welches Buch haben sie als Kind am liebsten gelesen? An welches können sie sich noch ganz genau erinnern?

 

Deniz: Pippi Langstrumpf, Robinson Crusoe, Enid Blyton, Grimms Märchen und Hui Buh als Hörspiel, die Dialoge kann ich heute noch mitsprechen …

 

Katja: Welches Buch liegt aktuell bei ihnen zum Lesen bereit? Wo lesen sie gern?

 

Deniz: Ich lese gerade das genial-witzige Buch meiner Kollegin Anke Weber: Das verdammte Chaos im Mikrokosmos, das im September bei Oetinger erscheint.

Ich lese überall gern. Im Garten, auf dem Sofa, im Bett, ganz egal, denn wenn mich eine Geschichte packt, bin ich sowieso nicht mehr wirklich da …

 

Katja: Und nun die Frage, die garantiert alle Leser von ihnen interessiert: Gibt es schon ein neues Projekt und wenn ja, können sie uns darüber noch etwas erzählen?

 

Deniz: Ja, ich habe gerade meinen ersten Roman für Erwachsene abgeschlossen, der im Frühjahr 2016 bei Droemer erscheinen wird. Darin erzähle ich unsere türkisch-deutsche Familiengeschichte. Mehr dazu demnächst hier.

 

Katja: Zu guter Letzt: Mein Blog befasst sich – neben den Büchern – mit meiner zweiten großen Leidenschaft: dem Kochen. Würden sie mir und meinen Lesern ihr Lieblingsrezept verraten?

 

Deniz: Da ich ein großer Brotfan bin, hier mein derzeitiges Lieblingsbrot, ganz einfach und superlecker!

 

300 g Dinkelvollkornmehl
200 g Roggenvollkornmehl
2 TL Salz
1/2 TL Zucker
370 ml lauwarmes Wasser
1,5 Packung Trockenhefe
1 Möhre

 

Zubereitung:
Bis auf die Möhre, alle Zutaten in einer Schüssel zu einem Teig verkneten. Nicht wundern, er bleibt ziemlich klebrig. Den Teig an einem warmen Ort mit einem Tuch abgedeckt 45 Min. gehen lassen. Dann die Möhre raspeln und unterkneten. Den Teig in eine mit Backpapier ausgelegte Kastenform, ca. 30 cm, geben und nochmals abgedeckt 20 Minuten ruhen lassen. Mit Mehl bestäuben und den Backofen auf 210 Grad vorheizen. Eine feuerfeste kleine Schüssel mit Wasser  in den Ofen stellen. Dann die Kastenform dazu, etwa 40 Min backen und hoffen, dass das Brot es heil bis zum Kaltwerden schafft … hat bei uns noch nie geklappt 

 

Das Brotrezept habe ich von dieser tollen Seite: http://www.vegan-einfach.de/dinkelbrot-mit-moehrenraspel/

 

Das Interview könnt Ihr hier nachlesen

 

 

Oktober 2014: Interview in der Nordwestzeitung NWZ-Online

Kindheitstraum erfüllt

Frage: Frau Selek, Sie haben schon als Texterin, Illustratorin und Redakteurin gearbeitet. Wann war Ihnen klar, dass Sie einmal Buch-Autorin werden?

Selek: Mit acht Jahren habe ich mein erstes Buch geschrieben. Es hieß „Fuchs und Hase besuchen ihren Freund, das Meerschweinchen“. Mir war damals schon klar, was ich werden möchte, nur kam mir immer wieder etwas dazwischen – das Abitur, der Job, Jungs, Liebeskummer, das Studium... Im Nachhinein ärgere ich mich über die vertrödelten Jahre.

 

Frage: Sie haben inzwischen schon mehrere Jugendbücher veröffentlicht. Welche Idee steckt hinter dem Buch, das sie auf der Kibum präsentieren werden?

Selek: Meine Idee war, dass Kinder ein Buch mit Bildern und Texten gestalten sollen, das Erwachsene später vervollständigen können. Im Rahmen der Kibum-Vorab habe ich Mitte September einen Workshop mit Kindern in Kreyenbrück veranstaltet. Dort sind viele schöne Motive mithilfe von Aquarellfarben und Polychromos entstanden. (Die Bilder findet Ihr unter der Rubrik "Kinderbücher in Vorbereitung" ganz unten. Die Kinder haben Bilder gemalt und ich habe sie ausgemalt)

 

Frage: Wie war die Resonanz der Kinder?

Selek: Beim Workshop konnten sie zeigen, was in ihnen steckt und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Mir ist es wichtig, junge Menschen zu motivieren. Literatur ist auch ein Stück weit Selbstidentifikation. Das versuche ich auch immer in meinen Geschichten hervorzuheben.

 

Frage: Ein Beispiel?

Selek: In meinem neuen Buch „Aprikosensommer“ das im kommenden Jahr erscheinen wird, schreibe ich über eine junge Frau, die mit ihrer Mutter nach Istanbul fliegt, um ihren Vater ausfindig zu machen. Fünfzehn Jahre lang hat ihre Mutter alle Fragen nach ihm abgeblockt. Als sie ihm schließlich begegnet, hat sie das Gefühl, einen Teil ihrer Identität gefunden zu haben.

 

Frage: Worüber würden Sie niemals schreiben?

Selek: Fantasy ist nicht so meins und politische Themen – etwa der Dschihad. Ich finde, dass realistische Geschichten für Jugendliche zielführender sind, etwa wenn es um Konflikte geht. Ich möchte gerade jungen Menschen zeigen, dass wir alle mit Problemen und Konflikten zu kämpfen haben, aber dass sich diese auch lösen lassen.

 

Frage: Wie sehen sie die Zukunft des Buches im Hinblick auf die Digitalisierung?

Selek: Für mich ist das ein zwiespältiges Thema. Ich bin mit Büchern groß geworden und liebe es, Papier durchzublättern. Das geht meinen vier Kindern genauso. Ich glaube, dass ein Buch immer noch etwas Besonderes ist. Ich arbeite zwar auch gern am Rechner, würde dort aber niemals längere Geschichten lesen, da ich einfach müde davon werde. Für mich gehört der Duft von Druckerschwärze einfach dazu.

 

Hier könnt Ihr das Interview in der Nord-West-Zeitung nachlesen

Dezember 2013: Portrait im hannoverschen Stadtkind

Oktober 2013 Rezension und Interview von Dr. Ulrike Schimming

 

Patchwork-Familien werden hierzulande so manches Mal immer noch als etwas Exotisches, Ungewöhnliches, jenseits der Norm und der Normalität betrachtet. Vor allem, wenn mehrere Nationalitäten an der neuen Familienkonstellation beteiligt sind.

Das man dieses Thema auch anders angehen kann, beweist Deniz Selek in dem Auftaktband ihrer Trilogie Heartbreak-Family.
Ich-Erzählerin Jannah Kismet, 15, ist seit Jahren still und heimlich in den schönen dunkelhäutigen Ken verliebt, der sie allerdings nicht eines Blickes würdigt, vermutlich von ihrer Existenz nicht einmal weiß. Das ändert sich schlagartig, als Jannahs Mutter Suzan mitteilt, dass sie mit ihrem neuen Freund Sebastian zusammenziehen wird. Sebastian ist Kens Vater. Jannah stirbt quasi tausend Tode, allein bei der Vorstellung, nun fast täglich Ken über den Weg laufen zu müssen.
Doch Ken ist gar nicht mal das größte Problem. Viel schlimmer gebärdet sich Kens Schwester, die quirlig-nervige Merrie, mit ihrem Fimmel für Markenklamotten und  Edelschminke. Sie sticht Jannah in der Tanz-AG der Schule aus, bedient sich bei ihren Sachen, treibt Jannah schier zur Weißglut. Zudem glaubt Merrie, dass Jannah ihren Bruder verhext hat, als dieser beim Taggen erwischt und Ärger mit der Polizei bekommt.
Doch irgendwie gehört Merrie nun mit zur Familie, und Jannah muss sich arrangieren. Vor allem aber darf sie nicht verraten, dass sie in Ken verknallt ist. Blöd, dass ihr irgendwann vor aller Augen ein süßes Kinderfoto von Ken aus dem Tagebuch fällt …

Deniz Selek schreibt in Heartbreak-Family von den kleinen, alltäglichen Problemen, die eine Patchwork-Familie zu meistern hat. Die Kinder müssen sich aneinander gewöhnen; die ehemaligen Partner der Erwachsenen müssen die neuen Einflüsse auf die eigenen Kinder erdulden; die frische Liebe der Eltern wird beständig angegriffen. Selek verzichtet auf dramatisches Problematisieren. Sie braucht keine Katastrophen, um die Leserinnen mitzureißen und zu fesseln. Das besorgen ihre fein charakterisierten Figuren mit ihrem deutsch-türktisch-afrikanischen Temperament und ihrem Humor schon ganz von selbst. Denn in Jannah Kismets Familie ist die türkische Mutter Suzan mit dem afrikanischen Sebastian zusammen. Ihre Liebe überwindet den Abstand zwischen den Kontinenten. Kultur und Kulinaria vermischen sich dabei genauso wie Aberglaube und Voodoozauber.
Und das harmoniert perfekt.
Hier wird allerdings nicht platt über Herkunft, Diskriminierung, Andersartigkeit diskutiert oder gar lamentiert, hier wird das Nationalitätengemisch, aus dem sich Deutschland im Großen wie im Kleinen nun schon seit einigen Jahrzehnten zusammensetzt, ganz selbstverständlich und warmherzig dargestellt. Patchwork und Internationalität sind normal. Total normal.
Was allerdings nicht heißt, dass nicht auch erbittert gestritten und gekämpft wird (in ganz wunderbaren Dialogen, die auf den Punkt aus dem täglichen Leben stammen). Doch das passiert ebenfalls mit der allergrößten Selbstverständlichkeit, so wie es unter Menschen, die sich auf Augenhöhe begegnen und respektieren, alltäglich ist. Einen erhobenen Zeigefinger sucht man hier vergeblich. Und das ist das Schöne an Deniz Seleks Roman: Sie erzählt, ohne zu moralisieren, von den universellen Wünschen, Träumen und Bedürfnissen von 15-jährigen Mädchen, die unglücklich verliebt sind, illustriert wie nebenbei einen Idealzustand einer Gesellschaft und bietet ihren Leserinnen wunderbare Identifikationsmöglichkeiten und eine riesengroßen Lesespaß.

 

Mit Deniz Selek, deren ersten Roman Zimtküsse ich hier vorgestellt habe, habe ich mich über ihren Roman, ihre Familie und Menschen mit Migrationshintergrund unterhalten.

 

Sie selbst leben in einer internationalen Patchwork-Familie. Wie viel steckt von Ihnen und Ihrer Familie im Roman? Wann ist Ihnen die Idee gekommen, einen Roman über eine Patchwork-Familie zu schreiben?

 

Deniz Selek: Die Idee kam schon nach kurzer Zeit des Zusammenlebens, als mir klar wurde, dass diese Konstellation nichts für Anfänger ist … (lacht) … Türken, Afrikaner und Deutsche und als Sahnehäubchen noch eine XXL Portion Patchwork mit allem, was dazugehört. Das muss man wirklich wollen! Doch mir hat es viel Gutes gebracht, denn mit den ersten Problemen kam auch der Wunsch, eine Geschichte zu erzählen, die da hinguckt und mancher Schwierigkeit ein herzhaftes Lachen abtrotzt. Von mir/uns ist in Heartbreak eher zwischen den Zeilen viel drin, denn die Handlung und die Charaktere sind frei erfunden.

 

In Jannahs Familie ist es völlig normal, dass Türken, Deutsche und Afrikaner zusammenleben. In Deutschland ist das noch nicht so. Was muss sich im Land ändern, damit wir zu dieser Normalität kommen?

 

Ich denke, dass wir bereits auf einem guten Weg dahin sind. Die „Normalität“ ist ein langsam wachsendes und sich stetig veränderndes Gebilde. Viele Dinge, die früher undenkbar waren,  bezeichnen wir heute als normal. Ich denke, wir sollten einfach nur mit offenen Augen und Herzen weitermachen, dann wird das, was in Heartbreak-Family gelebt wird, irgendwann ganz normal sein.

 

Was sollten die Deutschen dazu betragen? Was die Menschen aus anderen Ländern?

 

Ich kann das nicht nur auf „die Deutschen“ beziehen, denn es ist ein menschliches Thema. Wenn mir jemand fremd erscheint, anders aussieht, anders spricht, sich in einer Weise verhält, die ich nicht verstehe, macht mir das vielleicht im ersten Moment Angst oder verunsichert mich.
Wenn ich mich aber darauf einlasse und versuche zu verstehen, wie dieser Mensch ist, was ihn ausmacht, passiert etwas Wunderbares. Ich lerne nicht nur etwas über eine fremde Kultur, sondern auch viel über mich selbst. Das geht für mich am besten über Literatur, weil ich Zeit und Raum habe, mich einer anderen Mentalität zu nähern. Deshalb meine Empfehlung: Alle Menschen sollten ganz, ganz viel LESEN!

 

Jannah und ihre Familie sind sehr emanzipiert und vollkommen in der deutschen Gesellschaft integriert. Bei Familien mit Migrationshintergrund ist das nicht immer der Fall, zum Teil leben sie in eigenen Parallelwelten. Wie wichtig ist Integration für das gegenseitige Verständnis und Zusammenleben?

 

Ich muss gestehen, dass ich das Wort Integration nicht mag. Es klingt wie „passend machen“, obwohl es sicher nicht so ausgerichtet ist. Ich selbst habe mich nicht integriert, ich bin einfach in Deutschland aufgewachsen, obwohl mein Vater aus der Türkei stammt. Aber, und das ist für viele Familien mit ähnlichem Hintergrund wichtig, wir haben immer den Alltag mit Freunden und Bekannten geteilt und wie sie gelebt. Dazu muss ich sagen, dass meine Eltern nicht religiös sind, und das hat vieles leichter gemacht. Zudem haben beide großen Wert auf eine korrekte deutsche Sprache gelegt, die Sprache des Landes, in dem wir gelebt haben. Ich denke, das ist die Grundvoraussetzung für ein tolerantes und freundliches Miteinander. Dann ist es auch wichtig, an den landesüblichen Festen teilzunehmen, und im besten Fall den Kindern die Freiheit zu lassen, sich zu entfalten. Ich hatte diese Freiheit, weiß jedoch, dass das in vielen Familien schwierig ist.

 

Wie könnten sich Mädchen aus traditionellen Familien von möglichen Zwängen befreien, wenn sie ein anderes Leben führen wollen?

 

Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Diese sehr traditionellen, zum Teil sehr verkrusteten Strukturen so aufzuweichen, dass ein älterer, sehr furchtsamer Patriarch nicht das Gefühl hat, sein Gesicht, seine Ehre zu verlieren, wenn er seiner Tochter (für uns) normale Freiräume gewährt, ist eine echte Herausforderung.
Vielleicht würde es helfen, wenn Eltern sich mehr in den Schulen engagieren müssten. Gemeinsame Eltern- und Schülerarbeit auf dem Schulgelände (da gibt es ja immer irgendwas zu tun), kann eine Annäherung schaffen, die allen Kindern und der Gemeinschaft zugute kommt.
Wenn sie älter werden, kann ich den Mädchen nur raten: Geht euch selbst auf den Grund. Seht genau hin. Wer seid ihr? Was wollt ihr wirklich? Und folgt eurem Herzen! Fast alle Eltern akzeptieren den Lebensweg ihrer Kinder irgendwann. Und häufig sind sie dann sogar mächtig stolz auf ihre Töchter!

 

Rassismus und Gewalt kommt bei Ihnen nur in einer Szene vor, in der sich Ken selbstbewusst zu Wehr setzt. Erleben Sie und Ihre Familie Anfeindungen? Falls ja, wie gehen Sie damit um? Wie gehen Ihre Kinder damit um?

 

Ich habe dieses Thema im Buch bewusst nur einmal eingesetzt, weil mir sehr an einem harmonischen Miteinander gelegen ist. Klingt wie ein Widerspruch, ist es aber nicht. Je weniger ich „Gebrauch“ von rassistischen Anfeindungen mache, umso „normaler“ erscheint unser Leben. Und genau das ist es, was ich will.
Im Alltag unserer Familie gab und gibt es natürlich mehr Knackpunkte. Bei den Älteren (14, 15, 17 Jahre) ist das Gröbste – hoffentlich – überstanden, unser Sohn wird zwar zuweilen kritisch beäugt, wenn er einkaufen geht; manchmal steht auch der Kaufhaus-Detektiv freundlich lächelnd neben ihm oder er wird in manche Clubs nicht eingelassen.  Unsere Tochter ist sehr hübsch, sodass sie eher aus anderer Motivation beobachtet wird.
Bei unserem Jüngsten, dessen Haut recht hell ist, kommt schon mal ein blöder Spruch. Wir haben das große Glück, das dieses Thema sofort in der Klasse zur Sprache gebracht und erörtert wird. Damit ist ein wichtiger Bereich, nämlich die Schule, bereits abgedeckt.
Anfangs haben mich böse Beleidigungen unserer Kinder sehr gestresst, im Laufe der Jahre habe ich jedoch von meinem farbigen Mann gelernt, diese Dinge unaufgeregt zu betrachten und eher das Selbstbewusstsein unserer Kinder zu stärken, ihnen Selbstvertrauen und Zuversicht zu schenken, als mich um die Dummheit einiger Leute zu kümmern.

 

Was sollte sich in der deutschen Politik gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund ändern?

 

Das ist eine sehr schwierige Frage, und ich bin ein unpolitischer Mensch. Grundsätzlich bin ich für eigenverantwortliches Handeln. Jeder sollte selbst dafür sorgen, dass er sich gut fühlt. In einer Umgebung wohnen, die ihm guttut, sich mit Menschen austauschen, die er versteht und die ihn verstehen, auch wenn sie nicht seine Muttersprache sprechen.
Da kann die Politik ihren Einfluss auf den Immobilienmarkt geltend machen (damit  „Ghettos“ nach und nach verschwinden) und ja, auch darauf drängen, dass Menschen, die hier leben Deutsch lernen. Ich denke, das hilft allen.

 

Sie leben mit Ihrem Mann und vier Kindern … und einem Hund – erinnere ich das richtig? – zusammen. Wie organisieren Sie das Schreiben? Wann kommen Sie dazu? Was inspiriert Sie?

 

Genau. Zusammen sind wir sieben und das letzte „Kind“ hat Fell … Ich schreibe immer vormittags, wenn die Kinder in der Schule sind. In Abgabezeiten auch abends und an den Wochenenden, das klappt gut und immer besser, weil unsere Kinder gern ihr Ding machen. Meine Inspirationen kommen aus unserem realen Leben und da gibt es reichlich Stoff. Einiges natürlich auch aus meiner Vergangenheit und dem Leben in der Türkei.

 

Heartbreak-Family ist als Trilogie angelegt. Die Leser werden also noch ein bisschen auf die Folter gespannt, wie die Geschichte von Jannah und Ken weitergeht. Wissen Sie schon, was Sie danach schreiben werden? Haben Sie schon eine neue Idee?

 

Ja!

 

Fein, dann bin ich gespannt und danke herzlich für dieses Gespräch.

 

Dr Ulrike Schimming arbeitet als Übersetzerin aus dem Italienischen, freie Lektorin und freie Dokumentationsjournalistin. Zudem recherchiert und schreibt sie die Buchseite der Zeitschrift stern Gesund Leben und betreibt ihren Literatur-Blog letteraturen, wo sie nahezu jede Woche ein neues Kinder- oder Jugendbuch, Comic oder Graphic Novel vorstellt.

 

http://letteraturen.letterata.de

September 2012: Interview von Buchrättins Bücherkiste


Buchrättin: Dein Debütroman „Zimtküsse“: beruht der Lebenslauf von Sahra auf wahren Begebenheiten?
 
Deniz: Nein. Aber es ist trotzdem ein sehr persönliches Buch, es hat viel mit mir zu tun.
Buchrättin : Du bist in Hannover geboren, verbrachtest deine Kindheit in Istanbul und wohnst nun in Berlin. Wie fühlt man sich als Kind, wenn man zwischen zwei Kulturen aufwächst?
Deniz: Es ist einerseits schwierig, weil immer eine Art Zerrissenheit da ist. Nie ganz hier, nie ganz da. Nie wirklich zugehörig. Und wenn die Kulturen dann auch noch so extrem unterschiedliche Verhaltensmuster und Regeln haben, kommt man gerade als Kind oder Jugendlicher oft in Konflikt. Andererseits ist es aber auch eine unglaubliche Bereicherung „zwei Welten in sich zu vereinen“. Es bietet eine Fülle von Möglichkeiten und Facetten, über die ich immer wieder staune. Das was sich als Kind manchmal wie ein Fluch darstellt, wird später zu einem kostbaren Bestandteil der eigenen Persönlichkeit , wenn man auf seine innere Stimme hört. Ich jedenfalls bin sehr dankbar für meine „zwei Leben in einem“.
Buchrättin: In deinem Roman spürt man förmlich die Liebe zur Türkei. Wie oft bist du heute in der Türkei?
 
Deniz: Dieses Jahr haben wir dort unseren Familienurlaub in einem kleinen Dorf am Meer verbracht. Wunderschön zum Entschleunigen. Insgesamt bin ich nicht sehr oft in der Türkei. Alle paar Jahre. Demnächst möchte ich gern mal wieder nach Istanbul.
Buchrättin: Und nun natürlich die Frage zur Idee des Buches. Wie kamst du dazu „ Zimtküsse“ zu schreiben, also was inspirierte dich dazu?
 
Deniz: Die Geschichte war eigentlich schon immer da, ohne dass ich es wusste. Die Anfänge zu „Zimtküsse“ schrieb ich mit 17, in Form eines Deutschaufsatzes. Meine Lehrerin bat mich vorzulesen und sagte: 'Du kannst schreiben, mach weiter'. Viele Jahre später erschien der „Aufsatz“ bei Lesefutter auf einer Brötchentüte. Und noch einige Jahre später fächerte sich plötzlich die ganze Geschichte innerhalb einer Stunde vor mir auf.
Im Sommer 2009, beim Frühstück im herrlichsten Sonnenschein, sprang ich auf, riss Zettel und Stift an mich und das wars!
Buchrättin: Dauerte es lange einen Verlag für das Buch zu finden?
 
Deniz: Mir ging es wie fast jedem, der schreibt und versucht seine Manuskripte unterzubringen. Ich sammelte Absagen, wie andere Leute Blechautos oder Briefmarken. Irgendwann gab ich es auf, direkt an Verlage zu schreiben, sondern konzentrierte mich auf die Suche nach einem guten Agenten, was nicht unbedingt leichter ist. Aber bei dieser Geschichte wusste ich einfach, dass es klappt. Kurz darauf hatte ich einen Agenturvertrag und innerhalb weniger Wochen den ultimativen Luxus mir den Verlag aussuchen zu dürfen!
Buchrättin: Wie fühlt sich das eigentlich an, sein erstes Buch im Laden zu sehen und nun Autor zu sein?
 
Deniz: Das werde ich wissen, wenn ich gleich in der Buchhandlung spionieren gehe. Es erscheint ja erst heute! Bin sehr gespannt! Fotos folgen.
Mittlerweile ist es angenehm zu sagen: Ich bin Autorin oder Schriftstellerin. Anfangs ist es mir nicht leichtgefallen, ich habe es regelrecht geübt. Jetzt geht’s schon recht flüssig über die Lippen …
Buchrättin: Würdest du kurz etwas über „Zimtküsse“ erzählen?
 
Deniz: „Zimtküsse“ ist ein Buch der Liebesgeschichten. Empfindsam, zart melancholisch und voller Zuversicht und Glück. Es erzählt von Liebe in ganz unterschiedlichen Beziehungen, die im Leben der Hauptfigur Sahra vorkommen.
Konzipiert ist es für Mädchen ab 12 Jahren, wobei ich diese Katalogisierung immer wieder schwierig finde. Ich würde mir wünschen, dass sie einfach ganz vielen Menschen gefällt, dass sie etwas damit anfangen können, etwas daraus mitnehmen und wenn es beim Zuklappen ein zufriedenes Lächeln ist.
Buchrättin: Und was mich brennend interessiert, schreibst du schon an einem weiteren Buch?
 
Deniz: Ja, bin mittendrin im neuen „Stoff“, der im kommenden Herbst erscheint. Dieses Mal geht es um eine Patchworkfamilie der ganz besonderen Art. Mehr darf ich leider noch nicht verraten.
Buchrättin: Letzte Frage, ich mag die, welche drei Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?
 
Deniz: Das kommt ganz darauf an, wie lange ich mich dort aufhalten würde. Wenn es eine zweiwöchige Auszeit wäre, bräuchte ich nur: Zahnbürste, Stift und einen dicken Schreibblock. Wenn es eine lange Zeit wäre, müssten natürlich noch meine Lieblingsmenschen mit, das sind mehr als drei!
Buchrättin:Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Vielen Dank und viel Erfolg mit deinem Buch „ Zimtküsse“.