Oktober 2016

Eine neue Rezension in der Neuen Presse Hannover, vom 13.10.16:

 

"In wunderschönen leisen Bildern aufgeschrieben, sehr emotional, häufig melancholisch, immer ergreifend."

Vielen Dank an Maile Jacob für ihre lobenden Zeilen!

 

Juni 2016: Alliteratus

Ferah und Sercan blieben stehen. Leise strich das Wasser an ihre Füße, um sich flüsternd und gurgelnd wieder zu entfernen. Ruhig war das Meer, glatt und dunkel und fern, wie die Stimme voller Sehnsucht, die von der Moschee zu ihnen herüberwehte […] „Was passiert jetzt, Baba?“ Sercan legte den Arm um seine Tochter und lächelte. „Nichts“, sagte er. „Wir sind zu Hause.“ „Ja“, dachte Ferah. Wir sind zu Hause.  


Spätestens an dieser Stelle konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten und die Seite kaum noch zu Ende lesen. Selten hat ein Buch schöner geendet, trauriger, beglückender, und selten hat ein Ende so viel Frieden und Sanftmut ausgestrahlt und die Seele des Lesers mit tiefer, trauriger Freude erfüllt.
Hier schließt sich der Kreis vom Anfang des Buches, zwischen dessen Ereignissen die erzählte Zeit nur um eine Stunde fortgeschritten ist. Und doch liegt ein ganzes Leben dazwischen oder vielmehr: das Leben von drei Frauen, den Frauen vom Meer. Und so springt auch das Buch zu verschiedenen Zeiten und Orten, beginnend etwa um den ersten Weltkrieg herum und bis zur Jahrtausendwende.
Es ist Frühling in Istanbul, die Sonne flimmert grell, ein leichter Schwindel erfasst sie und die alte Ferah muss einen Moment verschnaufen auf der Bank, auf der schon ein alter Mann sitzt. 


Ein Fließen erfüllte ihre Ohren, sie hörte leises Schwappen und Rieseln wie von Wellen, die über Sand rollen. Nur eine feine Linie trennte das Wasser vom Himmel, hell und leuchtend und klar. Die Benommenheit war weg. „Da bist du ja, Ferah“, sagte der Mann, und sie sah überrascht auf. […] Sie hatte zu wenig Speichel, um schlucken, und zu wenig Tränen, um ihren Schmerz darin auflösen zu können. „Es hört gleich auf“, sagte er und streichelte behutsam ihre Hand. „Es hört gleich auf.“

 

Kann er aufhören, dieser tiefe Schmerz, den sie ihr Leben lang empfunden hat, seit ihr Vater die Familie verließ, um niemals wiederzukehren? Überwältigt von diesem nimmer endenden Schmerz über den einstigen Verlust und vom Glück, den geliebten Vater nun auf der Bank endlich wiedergefunden zu haben, gibt Ferah sich ihren Erinnerungen hin und erlebt die Geschichten der Frauen ihrer Familie: die Geschichte ihrer Mutter, einer stolzen Tatarin, die dem Vater gefolgt war und schließlich mit ihr, dem Kind, das eine so glückliche Kindheit am Meer verbracht hatte, einer schwierigen Zukunft entgegensah; die Geschichte von Elisabeth, die Ferahs Sohn heiraten sollte und erlebte, was es hieß, in einer fremden Kultur zu leben und zu lieben; und die Geschichte von Ilayda, Ferahs erwachsener Enkelin aus Deutschland, die ein Kind erwartet und bei einem Besuch in der Türkei ihren Platz zwischen den so unterschiedlichen Kulturen zu finden versucht.


Und nun spürte Ilayda, dass ihr der abgespaltene Teil so viel Gutes gab, dass sie sich so wohl und so zu Hause fühlte, so willkommen, so aufgehoben und geborgen, so sicher, so geliebt und beachtet, so wertgeschätzt, ohne dass sie irgendetwas dafür tun musste, ohne dass sie sich auch nur im Geringsten zu ändern brauchte. Sie spürte die unendliche Sehnsucht ihres Herzens nach ihrem zweiten Ich, das einmal ihr erstes gewesen war.

 

Die Reise, die Ferah mit ihrem Vater zusammen in die Vergangenheit unternimmt, fordert den Leser, nimmt ihn mit auf diese Reise in verschiedene Zeiten, zu verschiedenen Orten: eine Kindheit in Rumänien, eine Liebe in der Türkei und in Deutschland, dazu die Geschichte einer jungen Frau von heute, die sich mit und zwischen zwei Kulturen arrangieren muss ‒ fremde Welten, andere Zeiten und doch Menschen, Frauen, die sich zu allen Zeiten doch auch gleich geblieben sind: komplexe Figuren von psychologischer Tiefe, die sie als starke Individuen erscheinen lässt. 
Deniz Selek versteht mit einem großartigen Talent, diese Welten in Worten zu malen, die Landschaft, die Menschen, die Mentalitäten, eingebunden in die kleinen persönlichen Familiengeschichten voll Freude und Leid, in die großen Weltgeschichten und Kriege ‒ die Geschichte von drei Generationen, einander auf ewig verbunden und doch so unterschiedlich.


Als Ilayda Stunden später das Marmarameer tiefblau unter sich leuchten sah, verstand sie endlich, dass sie selbst die Brücke war, der Steg, das Seil, die Verbindung zwischen den entgegengesetzten Polen. Eine Brücke brauchte keine Entscheidung zu treffen, auf welcher Seite sie stand. Sie stand selbstverständlich auf beiden, weil das ihre Natur war.

 

Es ist ein sehr emotionales Buch, das im Leser Saiten zum Klingen bringt, die er gar nicht gekannt hat, und das liegt vor allem an der schönen Sprache, poetisch, bildhaft, feinfühlig, von einer ungeheuren Gefühlstiefe: Die Macht des Wortes hat den Leser fest im Griff. Ein Familienroman, ein Mehrgenerationenroman, der die persönlichen und zeitgemäßen Probleme der einzelnen Generationen aufgreift, in historische Kontexte stellt und eine ungemein berührende Auseinandersetzung bietet mit multikulturellem Hintergrund.  Die Frauen vom Meer ist die authentische Geschichte einer Suche nach sich selbst und dem eigenen Wert und über den Mut, etwas Neues zu wagen, über die Generationen hinweg, und von scheinbar leichter Hand vermittelt sie vergleichsweise komplexe Welten, Denkweisen, Kulturen und Glaubenskonzepte.
Absolut preisverdächtig, in jeder Hinsicht!  

 

Alliteratus

 

 

 

"Die Frauen vom Meer" gefallen auch der PETRA! In der Juli-Ausgabe der Illustrierten findet Ihr die große Buch-Extra-Beilage mit einer tollen Rezension und vielen schönen Leseempfehlungen meiner Kolleginnen und Kollegen!

 

Schaut mal rein!

 

Und dann bekomme ich auch noch Post von so lieben, interessierten und aufmerksamen Menschen! Freunde, mein Leben ist schön!

 

Juni 2016

 

Liebe Frau Selek,

 

ich denke, dass viele Menschen überlegen, ob die Geschichte der eigenen Familie interessant, ja sogar zum Aufschreiben geeignet ist. Ich sage ja, denn das sind alles Lebens-, Generationsgeschichten, es ist ein Teil der gelebten Geschichte.

Nur, nicht jede, nicht jeder traut sich zu, ein Buch zu schreiben. Aber es ist wichtig, die Familiensaga weiter zu erzählen, damit unsere Kinder und Enkelkinder uns und sich selber besser verstehen.

Ich war bei der Lesung im Aden-Gesundheitszentrum und habe mich schon an dem Abend auf das Lesen des Buches gefreut. Und ich habe es mit großem Interesse gelesen. Es ist toll von ihren Eltern sich vor den vielen Lesern zu öffnen. Es zeugt von großer Achtung dem Leser gegenüber, wie ehrlich Sie mit sich umgehen. Da gibt es keine Schönfärberei, das eigene Ich wird klar von Ihnen beschrieben.

Sehr bewegt haben mich die Teile, in denen Sie beschreiben, wie Ferah von ihrem Vater „abgeholt“ wird. Ich habe beim Sterben meiner Mutter eine ähnliche Situation erlebt. Meine Mutter hat sich mit ihrer Mutter unterhalten, als wenn sie an ihrem Bett sitzt. Und dabei ist meine Großmutter schon vor sehr langer Zeit verstorben.

Durch das Lesen ihres Buches bin ich wieder etwas mehr in meine Familiengeschichte eingestiegen. Im Sommer werde ich einer meiner Nichten alles weitergeben, was ich weiß. Sie ist sehr interessiert und kann es später an ihre Tochter weitergeben.

Für diese Inspiration und für das Lesevergnügen möchte ich mich bei Ihnen ganz herzlich bedanken.

 

Ihnen und Ihrer Familie ein Leben voller Spannung, Freude, Zuversicht und Vertrauen.

 

Ganz herzliche Grüße

Roswitha Quiram

 

PS: Ich bin an der Ostsee geboren und aufgewachsen, jedes Jahr mache ich mit meiner Schwester Heimwehurlaub.

Juni 2016: Lovelybooks-Leserinnen zu "Die Frauen vom Meer"

EvelynM schreibt:

Das Leben ist wie ein Spaziergang am Meer

...

Der rote Heißluftballon und die Möwen haben mich ebenso über die Meere der Frauen getragen, wie Deniz Selek eindrückliche, liebevolle Sprache, die Farben ihrer Stadt Istanbul, das Kämpfen der Frauen um ihre Freiheit, ihre Liebe und ihr Leben. Der Klang des Muezzin auf seinem Minarett, das Wispern des Windes, das Schaukeln des Meeres, der Duft der Pinien und Gewürze haben mich in eine andere, bunte, laute und faszinierende Welt entführt. Was kann man sich mehr von einem Buch wünschen, als sich aus dem Alltag wegzuträumen? Das ist Deniz Selek mit ihrem Buch wunderbar und vor allem auch sehr stilvoll und eindrücklich gelungen. Ihre warme Sprache lässt fremde Länder, Meere, Menschen und Emotionen entstehen und hinterlässt das Gefühl, mit der letzten Zeile Freunde zu verlieren. Ein Meer von Farben, Emotionen und Eindrücken rollt wie eine Welle über den Leser, wenn Deniz Selek Ferah, Elisabeth und Ilayda vom Meer erzählen lässt. Auch aus Deniz Schreibstil und Sprachgestaltung lässt sich ihre eigene Liebe zum Meer erkennen. Sonst könnte sie die vielen Facetten des Meeres und seines Wesens gar nicht so liebevoll und detailreich beschreiben. Auch die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland, Rumänien und der Türkei werden dem Leser ganz eindrücklich nahe gebracht und ich finde es sehr schön und stimmig, dass türkische Wörter bzw. ganze Phrasen in die Erzählung einfließen. Durch Ferahs Beschreibung des Alltags einer Frau in der Türkei bekommt man einen guten Einblick, wie sehr die Frauen doch ans Haus und an ihre Familie gebunden sind. Manchmal war ich richtig wütend auf die engstirnigen Männer, über so manche Ungerechtigkeit, die den Frauen widerfahren ist und traurig, dass Seza und Julie geliebte Menschen (Seza – Rahmanie und Julie – ihre Schwiegereltern) zurücklassen mussten. Selten fällt es mir so schwer, ein Buch zur Seite zu legen. Doch „Die Frauen vom Meer“ habe ich ständig bei mir getragen und in jeder freien Minute gelesen. Ich habe richtig mitgelitten und gebangt und zum Ende hin wollte ich gar nicht mehr weiterlesen, denn das würde schließlich im Ende der Geschichte münden.
Das Buch erzählt meiner Meinung nach nicht nur von 3 Generationen Frauen sondern von 4 – Ferah spielt in deren Leben auch eine große Rolle und nicht nur die der Erzählerin.

Sezas Schicksal und ihr „Ende“ in einer geschlossenen Anstalt haben mich sehr getroffen.
Ihren Mut, ohne Mann und Geld mit ihrer Tochter ein neues Leben am anderen Ende der Welt zu beginnen, bewundere ich sehr. Eine starke Frau! Wie wenig Rechte und Freiheiten die Frauen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten, ist schon erschreckend. Von Selbstverwirklichung konnte hier noch keine Rede sein.

Durch das Nachwort wurde mir erst klar, dass Deniz Selek ihre eigene Familiengeschichte eingebracht hat, was das „Die Frauen vom Meer“ noch viel persönlicher und emotionaler macht.

Das Buch ist vom Cover, über die Gestaltung der Kapitel bis zu der Erzählung einfach gelungen und wunderschön. Ich bin begeistert! Schade, dass ich nur 5 Sterne vergeben darf.

Ich möchte meine Rezension gerne mit einem Zitat von Elisabeth über ihren Vergleich des Lebens mit einem Spaziergang am Meer beenden, womit das ganze Buch wunderbar zusammengefasst werden kann: „Erst leicht und sorglos, dann immer beschwerlicher, kräftezehrender, und trotzdem voll kleiner und großer Schätze, die unverhofft aufblitzen.“

 

 

FantasyDream schreibt:

 

Als Ilayda Stunden später das Marmarameer tiefblau unter sich leuchten sah, verstand sie endlich, dass sie selbst die Brücke war, der Steg, das Seil, die Verbindung zwischen den entgegengesetzten Polen. Eine Brücke brauchte keine Entscheidung zu treffen, auf welcher Seite sie stand. Sie stand selbstverständlich auf beiden, weil das ihre Natur war. („Die Frauen vom Meer“, Seite 339)

 

Es ist Frühling in Istanbul, als Ferah auf einer Parkbank ihren Vater wieder trifft, der die Familie vor langer Zeit verließ.
Gemeinsam mit ihm begibt sich Ferah auf eine Reise in die Vergangenheit: Zu Ferahs Mutter, einer stolzen Tatarin, die dem Vater einst in die Türkei folgte, zu der Deutschen Elisabeth, die Ferahs Sohn heiratete und lernen musste, was Leben in einer fremden Kultur bedeutet, und schließlich zu Ferahs erwachsener Enkelin, die zwischen zwei Kulturen aufwächst.
Alle drei Frauen haben glückliche Jahre an großen Meeren verbracht, bis sie in ein neues Leben versetzt wurden, in dem sie sich bewähren mussten.

Nachdem ich bereits mehrere Jugendbücher von Deniz Selek verschlungen habe, bin ich nun in den Genuss ihres ersten Romans für Erwachsene gekommen. „Die Frauen vom Meer“ beruht auf wahren Begebenheiten - es beschäftigt sich mit der Geschichte ihrer Ahnen. Dass dieser Roman ein wahres Herzensbuch der Autorin ist, merkt man auf jeder einzelnen Seite!

Der Roman besticht durch eine ganz eigene, etwas melancholische Atmosphäre. Deniz Selek nimmt den Leser mit ihren schön gewählten Worten auf eine wahrlich besondere Reise voller Eindrücke und Gefühle mit. Die Geschichte strotzt regelrecht vor wunderschönen poetischen Bildern und vermittelte mir einen besonnenen, einfühlsamen und versöhnlichen Blick auf das Leben.

 

Wie im Leben, dachte Elisabeth, wie mein Leben. Ein Gang am Meer. Erst leicht und sorglos, dann immer beschwerlicher, kräftezehrender, und trotzdem voll kleiner und großer Schätze, die unverhofft aufblitzten. (Seite 371)

 

Die Autorin erschafft ein Kopfkino für den Leser, macht die Geschichte regelrecht erlebbar. Sie nimmt einen durch ihre Worte unmittelbar mit an die Handlungsorte ihrer Geschichte - lässt einen förmlich das Meeresrauschen vernehmen, den Geruch frischer Simits erschnuppern.

Ich liebe auch die Charaktere des Romans, die alle so unglaublich besonders und menschlich sind. Ihre Stärke, ihre Wut, ihre Verletzlichkeit, ihre Verzweiflung, all ihre Empfindungen kommen super zur Geltung und zerreißen einem manchmal fast das Herz. Es gelingt Deniz Selek, dass man für jeden einzelnen Charakter irgendwie Verständnis aufbringt. Sie zeichnet die Geschichte ohne jemals für eine Person oder Seite Partei zu ergreifen und überlässt es somit dem Leser sich seine ganz eigene Meinung zu bilden.

Und was für ein Ende - emotional, versöhnlich und hoffnungsvoll zugleich! Ich habe die letzten Seiten von „Die Frauen am Meer“ absolut geliebt. Es war beeindruckend wie gekonnt die Schicksale der drei (beziehungsweise vier) Frauen miteinander verwoben wurden.

Meine Erwartungen an den Roman wurden mehr als erfüllt: Es handelt sich um eine bewegende Familiengeschichte, wunderschön erzählt und mit starken Frauenfiguren, die sich erstklassig mit anderen Kulturen und der Frage nach der eigenen Identität auseinandersetzt. Es gefällt mir, dass immer mal wieder türkische Wörter in den Text eingeflochten sind, ein Personenverzeichnis beigefügt ist, das hilft die Übersicht über die vielen Charaktere zu behalten und Karten die Stationen der gewissermaßen generationenübergreifenden Reise abbilden.

Ich möchte diese wunderschöne Geschichte jedem ans Herz legen, der nur ein wenig Lust verspürt sie zu entdecken. Die Frauen vom Meer werden mich mit Sicherheit noch lange begleiten.

Leeresblatt schreibt:

 

Rosenduft und Meeresrauschen

Deniz Selek hat mit ihren Jugendbüchern mein Herz immer wieder erreicht. In ihren einfühlsamen Geschichten betont sie die Bedeutung des Zusammenhalts innerhalb der Familie, auch in sehr schwierigen Momenten. Ihre Erzählsituationen, Figuren und Handlungsorte sind bunt und wirken so real, dass man den Eindruck bekommt, alles selber zu erleben. Sie vermittelt dabei ihre Liebe zu Istanbul, der Stadt, mit der sie sich sehr verbunden fühlt. Aus mir hat sie ein Istanbul-Fan gemacht, eine Stadt, in der ich noch nie gewesen bin und hauptsächlich durch ihre Geschichten kenne.

"Die Frauen vom Meer" ist ihr erster Erwachsenen-Roman. Auf die Erscheinung dieses Buches habe ich mich sehr gefreut. Ich hatte eine berührende Familiengeschichte erwartet und habe viel mehr als nur das bekommen. Inspiration für ihren Roman hat Deniz Selek in den Frauen ihrer eigenen Familie gefunden. Es ist ihr "Herzensbuch" geworden. Darin beschreibt sie die Lebensläufe dieser Frauen, deren Persönlichkeiten, Interessen und Ziele sehr unterschiedlich sind, aber eins gemeinsam haben: die Sehnsucht nach dem Meer.

Deniz Selek erzählt die Geschichte von vier Generationen einer Familie aus der Sicht ihrer Frauen. Am Ende dieser Kette ist Ilayda. In ihren Venen fließt das Blut stolzer Tataren, traditionsbewusster Türken und beharrlicher Deutschen. Ein wunderbares Erbe. Ilayda ist ein Mensch zwischen den Welten. Das waren aber die anderen Frauen in ihrer Familie auch. Verschiedene Umstände haben sie dazu gebracht, in der Fremde neu anzufangen. Jede von ihnen ist auf ihre eigenen Art mit der Situation umgegangen, se konnten in der Fremde Wurzeln schlagen, oder nicht...
Aber wo sind letztendlich die Wurzeln eines Menschen? Sogar Kosmopoliten spüren das Bedürfnis zu wissen, wo sie hingehören, wo sie heimisch sind, wo die anderen so sind wie sie selber sind. Und wie findet Ilayda heraus, wo sie hingehört? Was hat ihr die Antwort gegeben? War es vielleicht der Duft des bulgarischen Rosenöls ihrer tatarischen Urgroßmutter, jahrzehntelang in einem alten Koffer aufbewahrt? Oder waren es die Geschichten und Gerichte ihrer türkischen Großmutter? Vielleicht ein unerwartetes, überraschendes und großzügiges Geschenk von ihrer sonst distanzierten deutschen Mutter?

In Deniz Seleks Büchern geht es um Identitätssuche, um Konflikte zwischen Müttern und Töchtern und um die Zugehörigkeit zu zwei Kulturen. Die Frauen vom Meer finden einen gemeinsamen Weg, um trotz Konflikten und Differenzen glücklich zu sein.
Deniz Selek bietet nicht nur eine berührende Geschichte, sie lässt sie in spannenden und exotischen Orten spielen, und in denen sie dem Leser das tägliche Leben deren Bewohner mit allen Farben, Klängen und Düften vorführt. Wie immer hat Istanbul eine Starbesetzung in einem Roman von Frau Selek. Im Leben der Frauen vom Meer spielt diese Stadt eine wichtige und entscheidende Rolle. Die Szenen, in denen diese Metropole mit den Augen der Neuankömmlinge betrachtet wird, gehören zu meinen Lieblingspassagen.

Rosenduft, Meeresrauschen, hektisches Stadtleben, der Geschmack von warmem Simit und Salep, das waren wunderbare Begleiterscheinungen einer Geschichte über mehrere Generationen von Frauen einer Familie, die immer die Nähe zum Meer gesucht haben.

Ich werde diese Frauen und ihre Geschichten immer in Erinnerung behalten. Und an sie werde ich jedes Mal denken, wenn ich selber am Meer bin.

Draculuna schreibt:

 

Es ist ein wunderschönes, poetisches mit viel symbolischer Bildersprache geschriebenes Buch über drei Frauen und ihre Verbindung miteinander. Genau genommen sind es eigentlich vier Frauen, wobei Ferah das "Verbindungsglied" aller ist. Im ersten Abschnitt geht es um Ferahs Mutter Seza, im zweiten Abschnitt um Ferahs Schwiegertochter Elisabeth und im dritten Abschnitt um Ferahs Enkelin Ilayda. Verbindend ist auch das Meer und die Sehnsucht nach einem Zuhause, nach einem "angekommen sein".
Prädikat - besonders wertvoll!

 

FrauSchafski schreibt:

 

„Die Frauen vom Meer“ nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Zeit. Drei Generationen von Frauen, die zwischen zwei Kulturen, Deutschland und der Türkei, aufwachsen. Mit ganz viel Feingefühl spürt die Autorin Deniz Selek der Geschichte ihrer Ahnen und auch ihrer eigenen nach, verwebt dabei auf beeindruckende Weise die Fäden ihrer Leben miteinander. Dies gelingt ihr so gut, dass der Leser emotional miterlebt, was es heißt, zwischen zwei Kulturen zu unterschiedlichen Zeiten aufzuwachen. So durchleidet er Freud und Leid, Glücksmomente und tiefe Trauer mit den Frauen, auf ihrer Suche nach Identität, Selbstbestimmung und Heimat. Dabei bleibt die Erzählperspektive zu jeder Zeit völlig neutral, nimmt keine Seite ein oder fällt ein Urteil – das bleibt allein dem Leser überlassen. Der beeindruckende Schreibstil der Autorin vermag es auch, Orte so detailreich und in schillernden Farben zu malen, dass der Leser förmlich neben den Figuren steht und alle Erlebnisse mit ihnen teilt.

Und dann ist da noch das Meer, das große übergreifende Thema. Es ist der Kern, der allen Frauen gleich ist: Die Suche nach Identität, nach Freiheit und Selbstbestimmung. Letztlich schlägt es die Brücke zwischen Kultur, Raum und Zeit: „Das Meer hatte sie gerufen, das Meer hatte sie zusammengeführt, und das Meer hatte ihnen gezeigt, dass es die ewige Verbindung zwischen ihnen sein würde.“ (Seite 353) Und so bleibt der Leser am Ende dieses Buches mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit zurück, mit einer Fülle von anregenden Bildern und Gedanken, die noch lange in ihm nachklingen werden.

Ein Roman ganz so, wie das Leben ihn schreibt, und ein absolutes Lesehighlight!

Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag für das Leseexemplar. Und noch ein viel größerer Dank gebührt der Autorin Deniz Selek, die mit ihrer ganz besonderen Art diese Leserunde zu einem absolut tollen Erlebnis gemacht hat.

 

Hier der Blog von FrauSchafski Bookshelfheroes

Lesemama schreibt:

 

Zum Inhalt:

Es ist Frühling in Istanbul und Ferah sitzt in einem Park auf einer Parkbank als sie auf einmal ihr Vater neben sich bemerkt. Den hat sie seit sehr langer Zeit nicht mehr gesehen, da ihre Mutter dachte er sei gestorben als Ferah noch ein kleines Mädchen war. Gemeinsam begeben sie sich auf die Reise in die Vergangenheit.

Zuerst erzählt Ferah von ihrer Kindheit in Rumänien und wie sie mit ihrer Mutter nach Istanbul kam. Dann von ihrer Schwiegertochter, die in den Wirren des zweiter Weltkrieges geboren ist und mit Ferah´s Sohn aus Deutschland in die Türkei kommt. Und zuletzt von ihrer Enkelin, die gefangen in zwei Kulturen, ihren Weg sucht.

Alle drei Frauen verbinden ihre glücklichste Zeit mit dem Meer.

Meine Meinung:

Ein wunderschön erzähltes Buch, das mich sehr berührt hat. Der Schreibstil ist sehr schön, die Wortwahl fand ich bezaubernd. Gut gefiel mir auch, dass immer wieder türkische Begriffe mit eingebaut waren, die in Fußnoten für nicht türkisch sprechende Leser übersetzt wurden.

Auch die Landschaft und die Mentalität wurde sehr schön und plastisch beschreiben. Die Charaktere waren sehr sympatisch. Vor allem Elisabeth hat mich persönlich sehr beeindruckt.

Fazit:

Eine wunderschön erzählte Geschichte die ohne großes Tamtam auskommt und trotzdem wunderbar unterhält. Mich haben die drei Frauen mit ihren Schicksalen sehr bewegt. Danke dafür.

Calimero schreibt:

 

Inhalt:
Es ist Frühling in Istanbul, als Ferah auf einer Parkbank sitzend ihren Vater wiedererkennt, der die Familie vor Jahrzehnten verließ. Gemeinsam mit ihm begibt sich Ferah auf eine Reise in die Vergangenheit:
zu Ferahs Mutter, einer stolzen Tatarin, die dem Vater einst in die Türkei folgte, zu der Deutschen Elisabeth, die Ferahs Sohn heiratete und lernen musste, was Leben in einer fremden Kultur bedeutet, und schließlich zu Ferahs erwachsener Enkelin, die zwischen zwei Kulturen aufwächst.
Alle drei Frauen haben glückliche Jahre an großen Meeren verbracht, bis sie in ein neues Leben versetzt wurden, in dem sie sich bewähren mussten.

Eindruck:
"Die Frauen vom Meer" - eine Familienreise durch drei Generationen, die mich mehr als einmal schlucken und am Ende mit dicken Tränen zurückließ. Warum Tränen ? - weil es einfach nur schön war !
Dieses Buch über die Höhen und Tiefen, Vor- und Nachteile, Schwierigkeiten und Einfachheit von multikulturellen Beziehungen berührt so tief. Das "Vor-Augen-führen", dass es funktionieren kann und über Generationen hinweg Bestand haben kann, ist wunderschön. Intensiv, emotional und sehr feinfühlig geschrieben erlebt man die Gefühle jeder einzelnen Person mit - man leidet, liebt, freut und lebt mit ihnen. Dazu die tollen Landschaftsbeschreibungen geben dem Leser das Gefühl dabei zu sein.
Die Zwischenkapitel - die eigentlich die Rahmenhandlung bilden - in denen Ferah mit ihrem Vater auf eine Reise in die Vergangenheit geht, sind von einer solchen Melancholie und emotionaler Tiefe, dass ich beim Lesen Gänsehaut hatte. Die Leben werden hier in Rückblenden erzählt und aufgearbeitet und der Moment in dem Ferah - gefühlt in den Armen ihres Vaters - loslassen kann, hat mich mit einem Gefühl der Wärme zurückgelassen.

"Wir sind zu Hause (Sercan) - Ja, wir sind zu Hause (Ferah)" 

Fazit:
Ich weiß nicht wann ich so etwas intensives, tiefes und emotionales zuletzt gelesen habe. "Die Frauen vom Meer" werden mich ewig beschäftigen. Dieses Buch wird mein ständiger Begleiter werden, und dafür kann ich nur sagen: Danke Deniz Selek!

Eine kleine nebensächliche Besonderheit, die aber die Intensivität des Lesens unterstrichen hat, ist das Cover. Während des gesamten Buches habe ich über über Wellen gestrichen und das Gefühl gehabt am Meer zu sein. Wer sich dieses Buch zulegt, wird feststellen was ich meine...

 

 

Pat82 schreibt:

Um was geht es ? Ferah erkennt ihren Vater, in einem Stadtpark wieder. Er verliess ihre Familie vor vielen Jahren und gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise in die Vergangenheit. Angefangen in den 20er Jahren bei der starken Tatarin Seza, mit ihrer Tochter Ferah, bis hin in die 90er Jahre zu der Llaya welcher mit zwei Kulturen aufwachsen durfte. Fluch oder Segen?
Drei Frauen, drei Generationen, verschiedene Kulturen, verschiedene Zeiten. In diesem Buch erlebt man eine Familiegschichte in die man Abtauchen kann. Man wird mit Problemen konfrontiert, die man gut nachvollziehen kann, man möchte helfen, diskutieren, einfach mit in die Geschichte hinein hüpfen. Ich finde das Thema auch sehr gut getroffen, denn immer mehr werde wir interkulturell vermischt, was toll ist aber eben auch viel Verständniss verlangt für das Gegenüber und seine Kultur. Selten konnte mich ein Buch so in seinen Bann ziehen, es wird mich noch lange begeleiten und wird  einen Ehrenplatz in meinem Büchergestell kriegen.
Vielen Dank an die Autorin dafür <3

Jenvo schreibt:

 

„Er legte ihnen die Freiheit zu Füßen, nach der sich Ilayda so lange gesehnt hatte, denn Vertrauen war nur ein anderes Wort mit derselben Bedeutung.“

Inhalt

Die drei Frauen vom Meer verbindet weit mehr als ein gemeinsamer Stammbaum und ein Leben voller Sehnsüchte und Wünsche, sie teilen sich ein Stück weit die Geschichte einer Familie, die aus ganz verschiedenen Menschen zusammengesetzt ist und ein lebendiges Gebilde bleibt, weil sie die Besonderheit und Einzigartigkeit jedes Einzelnen anerkennt und zu integrieren weiß. Während Ferah, die Großmutter sich selbst eine Familie aufbaut, die sie in ihrer Kindheit nicht hatte, möchte Elisabeth, ihre Schwiegertochter die Zwänge des türkischen Familienlebens nicht auf sich nehmen. Und Ilayda, die Enkeltochter fühlt sich in ihrem Heimatland ausgesprochen wohl, während sie in Deutschland eine Außenseiterin bleibt. Jede von ihnen besteht eigene Lebensprüfungen, jede hegt geheime Wünsche und hängt ihren Träumen nach und jede bemüht sich, für die Angehörigen einen Kompromiss einzugehen. Denn alle drei müssen feststellen, dass die Heimat, die sie sich erträumen nicht an einem einzigen Ort zu finden ist, auch nicht in einer Partnerschaft sondern einzig und allein in ihrem Herzen.

Meinung

Dieser ausgesprochen einfühlsame, emotionale Familienroman kombiniert nicht nur zwei gegensätzliche Kulturen miteinander, sondern rückt das Leben selbst in den Mittelpunkt der Erzählung. Er thematisiert dabei ganz hervorragend die Entwicklung einer Generation und auch die der nächsten und der übernächsten. Dabei sind es vor allem die Frauen, die ihre „Jungmädchenträume“ zurückstellen, die nachdem sie selbst Kinder bekommen und eine Familie gründen, auch ein anderes Weltbild gewinnen und die sich dennoch treu bleiben und sich weder von gesellschaftlichen Zwängen noch von wohlgemeinten Ratschlägen aus der Ruhe bringen lassen. Sie folgen ihrer Intuition und ihrem Herzen und gewinnen dadurch an Authentizität und Lebenskraft. Deniz Selek lässt den Leser teilhaben an den verschiedenen Rollenbildern, der Aufgabenverteilung und den Ansichten in der Türkei und geht dabei sowohl auf die besonders innigen zwischenmenschlichen Beziehungen ein, als auch auf die kritischen Aspekte eines Lebens im Schatten der Männer.

Fazit

Ich vergebe volle Punktzahl für diesen eindringlichen, sprachlich ansprechenden Familienroman, der viele wichtige Themen, wie Sehnsüchte, Hoffnungen, dass Muttersein, die tragende Rolle innerhalb der Familie, das Heimatgefühl und nicht zuletzt die Liebe zum Leben anspricht. Starke Charaktere, tolle Schauplätze und eine intensive Erzählweise verleihen diesem Roman eine hohe schriftstellerische Qualität, die ich als Leseempfehlung sehr gern an andere weitergebe. Ein Buch fürs Herz, für die Seele und für den Glauben an ein sinnerfülltes Dasein. Top!

Cyrana schreibt:

 

Diese Geschichte erzählt von drei Frauen und drei Meeren, die zu Beginn ihres Lebens eine große Rolle spielten. Gleichzeitig ist es die Geschichte einer Familie. Die stolze Tartarin Seza muss sich bald mit ihrer Tochter Ferah alleine durchs Leben schlagen und wandert in die Türkei aus. Die Deutsche Elisabeth verliebt sich in den Türken Haldun und ihre Tochter Illayda vermisst die Türkei, wo sie geboren wurde.

Wir reisen in diesem Buch einerseits in der Zeit zurück, um die Familiengeschichte zu erkunden, andererseits reisen wir mit Ferah und ihrem Vater zu für sie wichtigen Orten. Die Geschichte ist in einer wunderbaren Sprache erzählt und beinhaltet viel Magie und Poesie, lässt die Liebe zur Türkei erkennen, ist aber dennoch kritisch und sieht bei allem immer zwei Seiten, auch bei dem Leben in Deutschland. Ich wusste vorher zum Beispiel nichts über Tartaren an der rumänischen Küste. Gemeinsam mit diesen unterschiedlichen Frauen entführt uns die Autorin auf eine kulturell vielfältige Reise, die mich zum Staunen gebracht hat, nachdenklich stimmt und zum Träumen vom Meer bringt. Eine wundervolle Lektüre, die leider viel zu schnell beendet war.

Ich bedanke mich auch bei Deniz Selek für die tolle Begleitung der Leserunde und die Beantwortung all unserer Fragen. Ich bin schon sehr auf ihren nächsten Roman gespannt.

Papaschluff schreibt:

 

Zum Inhalt:

Es ist Frühling in Istanbul, als Ferah auf einer Bank einem Mann begegnet, in dem sie ihren Vater Sercan wiedererkennt, der die Familie vor Jahrzehnten verließ. Ferah begibt sich gemeinsam mit ihm auf eine Reise in die Vergangenheit, zu den Frauen der Familie: zu Ferahs Mutter, einer stolzen Tatarin, die dem Vater einst in die Türkei folgte, zu der Deutschen Elisabeth, die Ferahs Sohn heiratete und erfuhr, was das Leben in einer fremden Kultur bedeutet, und schließlich zu ihrer Enkelin, mit der sich der Kreis schließt. Alle drei Frauen haben als kleine Kinder drei glückliche Jahre an ihrem großen Wasser – dem Schwarzen Meer, der Ostsee, dem Marmarameer – erlebt, bis sie entwurzelt und versetzt wurden in ein neues Leben, in dem sie sich bewähren mussten. Ferahs Schicksal wird sich auch an "ihrem" Meer vollenden.

 

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Man lernt auf dieser Reise sehr viele unterschiedliche Personen kennen. Völlig unterschiedliche Charaktere, wobei sich das Schicksal der Frauen in gewissen Hinsichten ähnelt. Jede einzelne muss Teile von sich selbst aufgeben um in einem neuen Leben bestehen zu können.

Jede einzelne Figur ist  wundervoll beschrieben, mit allen Ecken und Kanten, die wir ja alle haben. Die Geschichte liest sich flüssig und leicht. Man lebt sie mit den Figuren.

Besonders hat mir Vater/Tochter Beziehung von Ferah und ihrem Vater gefallen, die so unheimlich innig war und er trotzdem die Familie verlassen hat. Und am Ende sind sie wieder vereint.

Dazu bringt Deniz Selek immer auch ein Stück Geschichte, die Kriegswirren mit ein. Diese aus dieser Sicht zu lesen, war schon sehr ergreifend und emotional.

Auch das Mischen der Kulturen, der deutschen Elisabeth und ihrem türkischen Ehemann, war sehr bewegend erzählt.

Was das ganze noch zu etwas Besonderem macht, ist die Tatsache, dass die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Ich finde, dadurch wird sie noch greifbarer und noch emotionaler.

Mich hat das Buch aufgewühlt, ergriffen und zu Tränen gerührt. Ich fand es einfach großartig.

LeseHelena schreibt:

 

mir hat das Buch "die Frauen vom Meer" sehr gut gefallen.
Es erzählt die Geschichte drei verschiedener Frauen, welche in verschiedenen Generationen aufgewachsen sind, sich aber doch sehr ähnlich sind.
Es zeigt, wie schwer, aber auch schön das Leben der Frau ist und welche Hindernisse und Probleme im Leben einem über den Weg laufen.
Elizabeth beschreibt das Leben auf Seite 371 mit einem Gang am Meer. erst leicht und sorglos, dann immer beschwerlicher mit kleinen Schätzen, die unerfhofft aufblitzen.
ich finde das ist eine sehr treffliche Zusammenfassung des Buches aber auch des wahren Lebens.

Dazu hat mich das Aufgreifen, der türkischen und deutschen Kultur sehr gut gefallen, da das Thema generall sehr aktuell ist und wahrscheinlich unser Leben lang aktuell sind wird.
wie weit gibt man, in einem neuen Land seine Kultur auf auf? wie weit, muss man die neue Kultur annehmen? und, wo ist man eigentlich zu Hause?

Juni 2016: Leserinnen von Bücher Pustet:

 

Andrea Preuß
Ich habe "Die Frauen vom Meer" gelesen und bin begeistert. Am Anfang konnt ich mir gar nicht so richtig vorstellen, was mich erwartet, aber die Schicksale der einzelnen Frauen haben mich zutiefst berührt. Da ich selbst Mutter einer kleinen Tochter bin, war es für mich ganz schlimm, als Seza verlassen wurde oder als Elisabeth sich gar nicht zurecht fand in der Türkei. Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Es ist echt schön zu lesen. Vielen Dank
Kerstin Stöber
Das Buch hat mich wirklich überrascht! Ich habe nicht so viel erwartet, weil es eigentlich nicht ganz das Genre an Büchern ist, was ich sonst lese, aber es war grandios! Die individuellen Geschichten dreier komplett unterschiedlicher Frauen wurden so schön erzählt, dass man zu jeder eine gewisse Beziehung entwickelt. Die Art, wie die drei Geschichten dann noch verknüpft wurden, war berührend und fast jedes Kapitel hatte einen kleinen Cliffhanger am Schluss, sodass ich es eigentlich in einem Zug lesen wollte! Sehr zu empfehlen und lohnt sich wirklich!
Sonja Mattner
Mit diesem Roman von Deniz Selek habe ich mich auf neues Terrain eingelassen. Verschiedene Generationen, neue Kulturen werden in einer Geschichte miteinander vereint. Und das so wunderbar, dass ich phasenweise Tränen in den Augen hatte. Die Figuren sind authentisch und ich wollte diese eigentlich nicht gehen lassen. Weil sie mich in ihre Welt mitgenommen haben. Ein großartiges Buch, von dem ich mich nur schwer verabschieden kann.
Tanja Schatz
Inhalt: 3 Frauen, 3 Generationen, wachsen an verschiedenen Meeren auf. Alle drei werden im Kindesalter aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen und müssen sich in einem fremden Land mit einer fremden Kultur zurechtfinden. Jede muss für sich ihren Schicksalsschlag verarbeiten und mit der neuen Situation zurechtkommen. Alle verbindet aber die ständige Sehnsucht nach dem Meer, die sie auch letztendlich wieder zusammenführt.
Die Geschichte wird zuerst von Ferah, der Großmutter erzählt. Sie und ihre Mutter wurden vom Vater verlassen und zogen nach Istanbul – der Heimat ihres Vaters. In hohem Alter, als ihr Mann gestorben und die Kinder ausgezogen sind, begegnet sie ihm wieder und lässt ihr Leben gemeinsam mit ihm Revue passieren. Ihre Schwiegertochter Elisabeth, die an der Ostsee aufgewachsen ist, musste ebenfalls als kleines Kind im Krieg vor den einmarschierenden Russen flüchten und ihr vertrautes Leben zurücklassen. Viel zu früh starb auch noch ihre Mutter, was ihr Leben nicht einfacher gemacht hat. Gemeinsam mit ihrem Vater, ihrer Schwester und ihrer Stiefmutter lebt sie in Berlin. Als Elisabeth Ferah´s Sohn heiratet, folgt sie ihm für einige Jahre in die Türkei. Nur schwer kann sie sich an die Kultur gewöhnen und an das Leben dort anpassen. Kurze Zeit später kommt ihre Tochter und Ferah´s Enkeltochter Ilayda zur Welt. Die Kleine wächst behütet und umsorgt in Istanbul am Meer auf, bis auch sie durch den Umzug nach Berlin aus ihrer vertrauten Umgegung gerissen wird. Ilayda kann dies nicht verkraften und weiß nicht, zu welcher Kultur sie richtig gehört. Erst nachdem sie im Teenager Alter zu ihrer Großmutter Ferah geschickt wird, wird ihr klar das die Heimat in ihrem Herzen ist und nicht an Orten festgebunden ist. Als Ilayda dann schwanger ist, finden sich alle drei Frauen wieder am Meer zusammen, wo all ihre Sehnsucht und Liebe zu Hause ist.
Die Frauen vom Meer – ein wunderschön geschriebener Roman, der von verschiedenen Kulturen und Lebensweisen erzählt. Die Gegenden und Städte sind so realistisch beschrieben, dass man das Gefühl hat mitten drin zu stehen. Jedes einzelne Schicksal der 3 Frauen bewegt einen, ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Vielen Dank für so eine tolle Geschichte, das weckt auch bei mir die Sehnsucht ans Meer nach Istanbul zu reisen und sich alles selbst einmal anzusehen!
Bärbel Benkenstein-Matschiner
Deniz Selek schreibt gefühlvoll ohne in Sentimentalität zu verfallen. Im Mittelpunkt stehen drei Frauengenerationen, deren Leben und Schicksal von Männern bestimmt ist, im Mittelpunkt aber stehen die Frauen. Über sie lässt uns Deniz Selek in ihre Familiengeschichte eintauchen. Sie verwebt die Geschichten von Generationen, vermittelt in jeder Frau durch ihren Erzählstil eine eigene Stimmung. Ein wunderbares, tiefgründiges Buch, das sehr feinfühlig von Liebe, Verbundenheit, Verständnis und Zusammengehörigkeit erzählt. Ein Buch zum Genießen!

Juni 2015: Hannoversche Allgemeine Zeitung:

Mai 2015: Aba

Die wichtigste Frage

Jeder Mensch hat das Recht zu wissen, woher er kommt.
Die 15-jährige Eve ist ohne Vater aufgewachsen. Ihre Mutter hat ihr dieses Recht, ihre Herkunft zu kennen, aberkannt. Aber Eve spürt, dass die Zeit gekommen ist, um endlich eine Antwort auf die wichtigste Frage ihres Lebens zu finden: Wer ist ihr Vater.

Deniz Seleks neuer Jugendroman "Aprikosensommer" erzählt die Geschichte eines Mädchens, das beschließt, seinen Vater zu suchen.

Auf die Erscheinung von "Aprikosensommer" habe ich sehnsüchtig gewartet.
Deniz Seleks Bücher liebe ich! Ihre jungen Protagonistinnen befinden sich oft in schwierigen Situationen, die sie meistern müssen, aus ihrer eigenen Sicht meistens ohne die Unterstützung ihrer relativ unreifen Mütter.
Deniz Selek schafft es immer, eine melancholische Atmosphäre zu erzeugen, die ihre jungen Heldinnen umgibt, und die sich auf den Leser überträgt. Auch so in "Aprikosensommer". Der Leser spürt Eves Verzweiflung und ihre Sehnsucht nach dem Vater. Auch diesen Konflikt zwischen Mutter und Tochter gelingt der Autorin ohne Melodram, und vor allem realistisch und nachvollziehbar.

Die Suche nach dem Vater führt Eve letztendlich nach Istanbul. Eine neue Welt öffnet sich vor ihren Augen, eine Welt, die sie dankbar wahrnimmt, auf die sie sich einlässt und die sie zu schätzen lernt. Aber auch ich habe dank Deniz Selek Istanbul genossen. Ich bin durch die Basare gegangen und hatte den Duft von frischen Simits in der Nase.
Deniz Selek liebt Istanbul, und mir blieb beim Lesen keine andere Wahl, als auch diese Stadt zu lieben, in der ich nie gewesen bin.

Die Suche nach den eigenen Wurzeln, die Bedeutung von Familie und Freunden, das sind grundsätzliche Themen, die jeden von uns beschäftigen. Deniz Selek hat sie zum Hauptgegenstand dieses ihres Jugendbuchs gemacht.
Das Ergebnis ist eine berührende Geschichte, die man lieben muss.


Hier geht's zu Aba's Blog

 

„Aprikosensommer“ heißt das neue Jugendbuch der deutsch-türkischen Autorin Deniz Selek, das Katrin Ferner von der Buchhandlung Max Röder jungen Lesern ans Herz legt. An einem Tag, an dem so ziemlich alles schief läuft, gesteht Eve sich selber ein, dass sie darunter leidet, ihren Vater nicht zu kennen und nimmt sich vor, ihre Mutter dazu zu bringen, nach fast 16 Jahren ihr Schweigen zu brechen. Glücklicherweise hilft Eves Mutter ihrer Tochter und stellt sich ihrer eigenen Vergangenheit. Die Geschichte führt uns nach Istanbul, einer fremden, schillernden, exzentrischen Metropole. Deniz Selek erzählt eine wunderschöne, faszinierende Geschichte über Freundschaft, Familie, Zusammengehörigkeit vor tollen Kulissen und bringt in ihrer Erzählung dem Leser auch die Türkei ein Stückchen näher. Aber eine Warnung: Taschentücher bereit legen, denn Aprikosensommer ist eine Erzählung, bei der Lachtränen, sowie Tränen der Rührung fließen können.

Auf Vatersuche in Istanbul - | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/auf-vatersuche-in-istanbul-aimp-id10564769.html#plx1081347577
„Aprikosensommer“ heißt das neue Jugendbuch der deutsch-türkischen Autorin Deniz Selek, das Katrin Ferner von der Buchhandlung Max Röder jungen Lesern ans Herz legt. An einem Tag, an dem so ziemlich alles schief läuft, gesteht Eve sich selber ein, dass sie darunter leidet, ihren Vater nicht zu kennen und nimmt sich vor, ihre Mutter dazu zu bringen, nach fast 16 Jahren ihr Schweigen zu brechen. Glücklicherweise hilft Eves Mutter ihrer Tochter und stellt sich ihrer eigenen Vergangenheit. Die Geschichte führt uns nach Istanbul, einer fremden, schillernden, exzentrischen Metropole. Deniz Selek erzählt eine wunderschöne, faszinierende Geschichte über Freundschaft, Familie, Zusammengehörigkeit vor tollen Kulissen und bringt in ihrer Erzählung dem Leser auch die Türkei ein Stückchen näher. Aber eine Warnung: Taschentücher bereit legen, denn Aprikosensommer ist eine Erzählung, bei der Lachtränen, sowie Tränen der Rührung fließen können.

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April 2015 WAZ : Auf Vatersuche in Istanbul


„Aprikosensommer“ heißt das neue Jugendbuch der deutsch-türkischen Autorin Deniz Selek, das Katrin Ferner von der Buchhandlung Max Röder jungen Lesern ans Herz legt. An einem Tag, an dem so ziemlich alles schief läuft, gesteht Eve sich selber ein, dass sie darunter leidet, ihren Vater nicht zu kennen und nimmt sich vor, ihre Mutter dazu zu bringen, nach fast 16 Jahren ihr Schweigen zu brechen. Glücklicherweise hilft Eves Mutter ihrer Tochter und stellt sich ihrer eigenen Vergangenheit. Die Geschichte führt uns nach Istanbul, einer fremden, schillernden, exzentrischen Metropole. Deniz Selek erzählt eine wunderschöne, faszinierende Geschichte über Freundschaft, Familie, Zusammengehörigkeit vor tollen Kulissen und bringt in ihrer Erzählung dem Leser auch die Türkei ein Stückchen näher. Aber eine Warnung: Taschentücher bereit legen, denn Aprikosensommer ist eine Erzählung, bei der Lachtränen, sowie Tränen der Rührung fließen können.


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Aprikosensommer“ heißt das neue Jugendbuch der deutsch-türkischen Autorin Deniz Selek, das Katrin Ferner von der Buchhandlung Max Röder jungen Lesern ans Herz legt. An einem Tag, an dem so ziemlich alles schief läuft, gesteht Eve sich selber ein, dass sie darunter leidet, ihren Vater nicht zu kennen und nimmt sich vor, ihre Mutter dazu zu bringen, nach fast 16 Jahren ihr Schweigen zu brechen. Glücklicherweise hilft Eves Mutter ihrer Tochter und stellt sich ihrer eigenen Vergangenheit. Die Geschichte führt uns nach Istanbul, einer fremden, schillernden, exzentrischen Metropole. Deniz Selek erzählt eine wunderschöne, faszinierende Geschichte über Freundschaft, Familie, Zusammengehörigkeit vor tollen Kulissen und bringt in ihrer Erzählung dem Leser auch die Türkei ein Stückchen näher. Aber eine Warnung: Taschentücher bereit legen, denn Aprikosensommer ist eine Erzählung, bei der Lachtränen, sowie Tränen der Rührung fließen können.

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Aprikosensommer“ heißt das neue Jugendbuch der deutsch-türkischen Autorin Deniz Selek, das Katrin Ferner von der Buchhandlung Max Röder jungen Lesern ans Herz legt. An einem Tag, an dem so ziemlich alles schief läuft, gesteht Eve sich selber ein, dass sie darunter leidet, ihren Vater nicht zu kennen und nimmt sich vor, ihre Mutter dazu zu bringen, nach fast 16 Jahren ihr Schweigen zu brechen. Glücklicherweise hilft Eves Mutter ihrer Tochter und stellt sich ihrer eigenen Vergangenheit. Die Geschichte führt uns nach Istanbul, einer fremden, schillernden, exzentrischen Metropole. Deniz Selek erzählt eine wunderschöne, faszinierende Geschichte über Freundschaft, Familie, Zusammengehörigkeit vor tollen Kulissen und bringt in ihrer Erzählung dem Leser auch die Türkei ein Stückchen näher. Aber eine Warnung: Taschentücher bereit legen, denn Aprikosensommer ist eine Erzählung, bei der Lachtränen, sowie Tränen der Rührung fließen können.

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April 2015: Charly

 

Meine Meinung: Mein erster Gedanke, als ich das Buch gesehen und den Klappentext gelesen habe: süß. Nach und während dem Lesen bestätigte sich dieser erste Eindruck immer mehr, am Ende hatte ich sogar Tränen vor Rührung in den Augen. Aber ich will nicht vorgreifen.

Die Handlung ist keine weltbewegend neue Idee, allerdings zeigt sich hier wiedermal, dass man nicht das Rad neu erfinden muss, um etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Die Autorin macht alles richtig, was man in einer Jugend-Contemporary-Geschichte nur richtig machen kann.
Trotz den wenigen Seiten Umfang schafft sie es, die Handlung langsam an Fahrt gewinnen zu lassen und den Leser bei Stange zu halten.

Dazu tragen die zuckersüßen Charaktere bei, deren Beziehungen zueinander so lebensnah und echt wirken, dass es schon erschreckend ist. Gerade die Protagonistin fand ich total niedlich. Wie sie mit ihrer besten Freundin und ihrer Mutter umgeht und wie sie mit ihrer Situation klar kommt, das ist total inspirierend. Anstatt in Selbstmitleid zu versinken oder sich von Vorurteilen leiten zu lassen, springt sie in das Abenteuer und nimmt das Ruder selber in die Hand.

Ach ja, Istanbul. Ab einer bestimmten Zeit ist die Protagonistin mit ihrer Mutter in Istanbul, auf der Suche nach ihrem Vater. Das Einzige, was ich daran auszusetzen habe, ist, dass es ruhig mehr Istanbul hätte geben können. Ich liebe die Stadt und das was die Autorin zeigt und wie sie es zeigt, ist so toll, dass ich MEHR, MEHR geschrieen habe (im metaphorischen Sinn, damit meine Mitbewohner sich nicht beschweren). Hier habe ich mich erneut gefragt, wie schafft Deniz Selek es nur, auf so wenigen Seiten, den Zauber von Istanbul zu fangen und dem Leser zu übermitteln?

In diesem Buch prallen zwei Kulturen aufeinander, die deutsche und die türkische. Meine Befürchtung bei solchen Büchern ist die klischeehafte Beschreibung oder Charakterisierung einer Kultur. Völlig unbegründet, wie es sich herausgestellt hat. Sehr feinfühlig und mit größter Vorsicht werden Gesellschaften skizziert, die man sich vorstellen kann, die aber nicht festgesetzt werden.

Bei Büchern, die eine ähnliche Thematik haben, sprich: Kultur A knallt auf Kultur B, kommt es oft vor, dass die Handlung durch Einschübe in einer fremden Sprache sehr zäh wird. Auch hier waren meine Befürchtungen umsonst. Einige wenige türkische Wörter kommen vor, die kann man sich aber aus dem Zusammenhang zusammenreimen oder einfach im "Glossar" nachschlagen (hört sich umfangreicher an, als es tatsächlich ist, es sind nur ein paar Wörter).

Bewertung: Zugegeben, ich hatte nicht erwartet, dass mich das Buch so aus den Socken hauen würde. Ein zuckersüßer Lesespaß, den man sich nicht engehen lassen sollte. Übrigens habe ich das Buch in etwas weniger als zwei Stunden ausgelesen, dabei gelacht und Tränen in den Augen gehabt. Wie verpackt man nur so viel Gefühl, in so ein schmales Buch? Definitiv ein Jahreshighlight, damit ♥♥♥♥♥ Herzchen.

 

Charlys Buchsucht/ Blogg

 

 

März 2015: Alliteratus über Aprikosensommer:

 

"Nicht dein Ernst, oder?“ Mein eben noch freudiges Lächeln zerplatzte wie ein Ballon beim Nadelstich. Und heraus regnete Asche, winzige graue Staubpartikel tanzten vor mir im Sonnenlicht.
Es fängt mit dem Ende an, und so heißt auch das erste Kapitel „Das Ende“. Jedenfalls hat Eve das Gefühl, dass ihre Welt, ihr Leben am Ende ist, als Matteo ihr in der Schulpause mal eben verkündet, dass ihre Beziehung zu Ende ist. Eine Liebe, von der Eve geglaubt hatte, dass sie unsterblich und für immer sein würde. Und nun also das: Sehnsucht nach etwas und jemandem, der nicht bereit ist, sie zu erfüllen.
Und es ist nicht nur Matteo. Sensibilisiert durch die Trennung erwacht ein zweiter Schmerz in Eve: Wut auf die Mutter, die sie immer schon gefühlt hat, weil die Mutter sich 15 ganze Jahre lang geweigert hat, über Eves Vater zu sprechen, der sie vor der Geburt verlassen hat. Nichts weiß Eve über ihn, es gibt kein Foto, keine Briefe, nichts ‒ großer Kummer für Eve, die sich ihrer Identität beraubt sieht. Aber der Kummer über Matteo, den die Mutter miterlebt, weicht die Fronten auf. Eves bohrende Fragen zeigen Erfolg, und die Mutter gibt dem Druck nach. Erst ist der Vater nur ein Name, bald ‒ mit Hilfe von Eves Freundin im Internet ‒ finden sich Menschen mit dem gleichen Namen in der Türkei. Eine spannende Suche beginnt, an der nach und nach auch Eves Mutter teilnimmt. Erinnerungen werden wach bei ihr, und bei Eve setzt sich Steinchen für Steinchen ein Bild des Menschen zusammen, der ihr Vater ist. Als sie tatsächlich eine Verwandte in der Türkei ausfindig macht, überrascht sie der Entschluss der Mutter: In den Osterferien fliegen sie nach Istanbul…
Es ist eine Reise, die das Leben von allen verändern wird, eine Reise in die Vergangenheit, aber auch ‒ wie sich am Ende zeigt ‒ eine Reise in die Zukunft. Eine Reise mit Sehnsüchten und Hoffnungen, mit Ängsten und Verwirrungen, mit Träumen und großen Emotionen ‒ auf beiden Ebenen. Und deshalb heißt das letzte Kapitel völlig zu Recht „Der Anfang“ ‒ nachdem am Anfang des Buches „Das Ende“ stand. Der Mutter geht es nicht anders als Eve, die eine auf der Suche nach dem Vater, die andere auf der Suche nach der einstigen Liebe, und beide Geschichten berühren einander, überschneiden sich, gehen getrennte Wege. Das macht die leise Erzählung mit den kleinen Fortschritten so überaus überzeugend für ein breites Publikum. Ist es ein Jugendroman? Ein Frauenroman? Von beidem etwas, und jede/r kann herauslesen, was auf sein/ihr Leben zutrifft.

Deniz Selek ist wieder eine wunderbare, überzeugende Geschichte gelungen, wie sie vielleicht nur jemand schreiben kann, der in zwei Kulturen zu Hause ist. Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer, das alle alleinerziehenden Elternteile vernehmen sollten, die ‒ wie positiv die Gründe auch sein mögen ‒ ihrem Kind das andere Elternteil vorenthalten. Verschweigen ist nicht Schonung, und es erleichtert das Leben auch nicht; so erfährt es Eve. Vielmehr hat sie sich die 15 Jahre ihres Lebens unvollständig gefühlt, eine Lücke gespürt, die sie nun endlich imstande sein wird, auszufüllen. Das ist ein schmerzhafter Prozess, und er kann schief gehen. Natürlich tut es das hier nicht, es gibt die Andeutung eines Happy ends, und alles andere wäre undenkbar für einen Jugendroman.
Aber auch an eben diese jugendlichen Leser wendet sich das Buch mit seiner Botschaft, noch intensiver als an die Erwachsenen. Ein Buch, das Mut macht, das ermuntert, nicht aufzugeben, das das Recht betont, seine Herkunft zu erfahren, zu seinen Wurzeln zurückzukehren, egal wie schmerzhaft die Erfahrungen sein mögen, einzutauchen auch in fremde Kulturen.
Das Buch liest sich leicht, die Handlung ist spannend, es gibt viel Fröhliches, Heiteres, das dem ernsten Hintergrundthema seine Schwere und Belastung nimmt. Es ist großartig, wie es Deniz Selek gelingt, einen Roman über die Unzulänglichkeiten von Menschen, über die Unzuverlässigkeit von Beziehungen, die die Weltordnung von jungen (und nicht so jungen) Menschen plötzlich fragwürdig erscheinen lassen können, scheinbar mit so leichter Hand zu schreiben, dass sich weder eine beklemmende, hochemotionale Charakterstudie daraus entwickelt noch eine kitschig-romantische Herz-Schmerz-Stimmung.
Ein Buch, das seinen Lesern und vor allem Leserinnen viel zu sagen hat ‒ und das auch noch in einer so schönen, gehobenen Sprache, wobei sie immer den Nerv der Zielgruppe trifft. Ein Buch, das seine Leser viel über eine andere Kultur erfahren lässt und sie mitnimmt auf eine lange Reise ‒ eine Reise, die am Ende zu sich selbst führen kann.

März 2015: Bookwives über Aprikosensommer

 

“Von einem Leben ins andere. Unsere zerrissenen Herzen würden zusammenwachsen, an manchen Stellen narbig und ein bisschen schief vielleicht, aber sie würden zusammenwachsen, vollständiger, stabiler und fester als jemals zuvor.” (Seite 283)

Bisher habe ich noch kein Buch von Deniz Selek gelesen. Hier ist mir das Cover sofort aufgefallen. Der Klappentext machte mich neugierig und als dann auch eine Verlagsmitarbeiterin eine Empfehlung für das Buch aussprach, war es um mich geschehen. Ich musste es einfach lesen.

Der Einstieg in das Buch gelingt richtig gut. Schnell lernt man die muntere und aufgeweckte Eve kennen, die auch von Beginn an sympathisch ist. Aufgewachsen in Berlin ist ihre Mutter mit ihr aus der Stadt raus gezogen, um im beschaulichen Lichterberg zu wohnen. So muss Eve jeden Tag in die Waldorfschule Berlin-Mitte pendeln und nachmittags wieder den weiten Weg nach Hause auf sich nehmen. Oftmals träumt sie davon, das Leben eines anderen zu leben, um mehr Action und Aufregung zu haben. In ihrem Zuhause, umgeben von zottelfelligen Galloway-Kühen, deren größte Unterhaltungsfähigkeit darin besteht, von Zeit zu Zeit einen Flatsch auf die Wiese zu drücken, findet sie die gesuchte Abwechslung zumindest nicht. Wie gut, dass sie ihre beste Freundin Henny hat – ein Lichtblick in ihrem Leben. Und ihr Halt, als ihr Freund Matteo es schafft, sie aus der Fassung zu bringen.

Zu ihrer Mutter hat sie ein gutes Verhältnis. Doch dass diese immer abblockt und auf stur schaltet, wenn es um ihren Vater geht, macht sie traurig und auch etwas wütend. Häufiger kommt es zu Streitereien.
Umso größer ist die Überraschung, als die Erwachsene sich zu öffnen beginnt und die Tochter an ihren Erinnerungen teilhaben lässt.

Mit wunderbarem Schreibstil, Witz, ganz viel Charme und Gefühl führt die Autorin den Leser durch die Geschichte. Ich fand es richtig aufregend und spannend, gemeinsam mit Eve Stück für Stück ihrer Familiengeschichte aufzudecken und habe mit ihr gezittert, ob sie auf ihren Vater trifft und ob das auch für sie gut ausgeht.
Mit ihr gemeinsam nach Istanbul zu reisen war eine tolle Erfahrung. Deniz Selek hat die Stadt so lebendig und detailreich geschildert, dass ich beinahe glaubte, selber durch die Straßen zu wandeln. Sie hat in mir definitiv die Lust geweckt, der Metropole mal einen Besuch abzustatten.
Was ich auch positiv erwähnen muss: das schafft sie alles, ohne das Integrationsthema in den Vordergrund zu schieben und darauf herumzureiten.

Mit “Aprikosensommer” ist Deniz Selek ein wirklich zauberhaftes Jugendbuch gelungen. Ein Roman voller Sommer und Leben, mit einer Protagonistin auf der Suche nach ihrem Vater und damit ihrer Identität. Ein warmherziges Buch, das nicht nur Jugendlichen schöne Lesestunden bescheren wird. Ich MUSS es euch einfach ans Herz legen!

 

März 2015: Mel Bücherwurm über Aprikosensommer

 

"Aprikosensommer" ist ein Roman zum Wohlfühlen, auch wenn der Anfang der Story eher ungewöhnlich ist. Wir treffen auf Eve, die jahrelang bohrt, dass ihre Mutter ihr endlich von ihrem Vater erzählt. Als es dann endlich soweit ist, überschlagen sich die Ereignisse förmlich. Mir ist sehr sympathisch, dass Eve ein normales junges Mädchen ist und sich mit ganz normalen Problemen dieses Alters herumschlägt. Die Sehnsucht ihre Wurzeln, ihre Herkunft zu ergründen wird deutlich und auch nach Beenden des Buches ist mir das Verhalten ihrer Mutter nicht klar, denn sie hat einem Vater die Tochter genommen. Aus Stolz? Aus der Angst heraus, verletzt zu werden? Deniz Selek führt uns ganz langsam in die Story und lässt diese mit einem gewaltigen Krachen enden. Eve, die sich immer nach Familie gesehnt hat, hat diese vielfach entdecken können und fühlt sich somit angekommen, auch wenn diese Familienzusammenführung in Istanbul stattgefunden hat.
Istanbul, eine schimmernde, laute und außergewöhnliche Stadt, in die uns unsere Reise führt. Regelrechtes Fernweh und Hunger auf türkische Köstlichkeiten taten ihr übriges, um mir das Buch noch lebhafter erscheinen zu lassen. Deniz Selek schafft es zu überzeugen und die Gastfreundschaft und Farben, Gerüche taten ihr übriges, um mich zu begeistern. Es gibt aber nicht nur tiefsinniges und liebenswertes was ich anmerken möchte, sondern auch urkomisches. Mir ist natürlich das Klischee der Waldorfschulen bewusst und auch nach Beenden des Buches bin ich mir nicht sicher, ob Deniz Selek diese spezielle Schulform auf die Schippe nimmt (Namen tanzen & so) oder ob sie überzeugt ist von dem System. Nichtsdestotrotz konnte sich das Gesamtergebnis sehr gut lesen lassen.


"Aprikosensommer" ist zusammengefasst ein ideales Buch um abzutauchen und sich 288 Seiten einer Story zu widmen die außergewöhnlich schön ist. Sie macht deutlich, wie wichtig es ist, seine Wurzeln zu kennen und wie wertvoll Familie sein kann, um sich geborgen und sicher zu fühlen. Natürlich kommt auch die Liebe nicht zu kurz und gibt dem Titel des Buches echte Tiefe und Sinn. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus!

Oktober 2014: Lesung in Stadtlohn

September 2014: Alliteratus über Heartbreak Family Band II

Astrid van Nahl:

Zum Cover ist alles gesagt — es gilt auch hier. Die Geschichte schließt sich fast nahtlos an. Jannah ist immer noch in Ken verliebt, aber Ken hat ganz offenbar nur Augen für seine — ehemalige? — Freundin. Es ist Sommer, und die Patchworkfamilie fliegt in die Türkei, um die Ferien bei Jannahs Großeltern zu verbringen. Es wird schwieriger als erwartet, denn Jannah merkt, dass sie trotz ihrer türkischen Mutter

nur bedingt Wurzeln in der Türkei hat. Schnell klaffen ihre Vorstellungen und die der Großeltern vom Leben einer Jugendlichen auseinander. Immer wieder fühlt Jannah sich fremd, auch weil sie die Sprache nicht perfekt beherrscht. Und die Großeltern haben auch gewisse Probleme, mit dem neuen „Multikulti“ der Familie ihrer Tochter und der dunklen Hautfarbe klarzukommen. Die Stimmung ist gereizt


Dann wird alles anders. Jannah lernt einen türkischen jungen Mann kennen, Sayan. Die beiden verstehen sich auf Anhieb und Jannah wird durch ihn in die Gruppe der Jugendlichen vor Ort integriert, beginnt die türkische Mentalität viel besser zu verstehen, findet Freunde und sieht das Leben verlockend vor sich. Je besser sich die beiden auf gemeinsamen Ausflügen kennenlernen, desto größer wird die Zuneigung. Und Kens Eifersucht.


In der gleichen Zeit hat auch Jannahs Mutter ihre Probleme und muss sich ihnen stellen. Auch ihr, die nun so lange in Deutschland lebt, ist vieles fremd geworden, vor allem die Bevormundung durch ihre alten Eltern. Aber auch die anderen Personen, die man ins Herz geschlossen hat, vor allem Ken und Sepp, kommen erzählerisch nicht zu kurz, können sich als eigenständige Personen entfalten und überzeugen. Leserinnen werden sich aber bestimmt sehr schnell mit Jannah identifizieren, die mit ihrer ehrlichen, teils impulsiven Art so authentisch wirkt. Leicht und unterhaltsam vermittelt sie in Handeln und Denken doch vergleichsweise komplexe Welten, die unterschiedlichen Denkweisen einer anderen Kultur mit ihren Wert- und Glaubenskonzepten.


Auch in dieser Fortsetzungsgeschichte versteht Deniz Selek zu erzählen; vor dem inneren Auge des Lesers entsteht ein buntes und facettenreiches Bild nicht nur einer Familie, die erst zu einer solchen zusammenwachsen muss, sondern auch eines faszinierenden Landes. Deniz Selek schreibt, wie es gerade am besten passt. Sie hat einem heranwachsenden Leser viel zu sagen, und sie tut dies unbekümmert, rabiat, vorlaut, witzig, schüchtern und manchmal ganz unverhofft poetisch leise. Vor allem am Ende, das ihr wieder so überzeugend (und schön) gelingt und eine Fortsetzung möglich macht


Heartbreak — das ist eine Geschichte über große Gefühle, treffsicher, einfühlsam und subtil, frei von Ressentiments und Resignation, wo man sie vielleicht erwartet haben könnte; eine ernste und manchmal bei aller Heiterkeit (man denke an das Inhaltsverzeichnis am Ende des Buches, mit viel Sinn für Situationskomik) auch ein bisschen traurig wehmütige Geschichte, so erzählt, dass man immer trotzdem lächeln und lachen muss. Zwei wunderbar bunte Erzählungen, die einen berühren wie das Leben selbst.



Astrid van Nahl ist eine deutsche skandinavistische Mediävistin, Publizistin und Übersetzerin. Sie ist derzeit tätig als Lehrbeauftragte an der Universität Bonn, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an religionswissenschaftlichen Projekten und Publikationen an der Universität Uppsala, „chief-Editor“ bei Mouton de Gruyter sowie Chefredakteurin und Mitbegründerin des Onlinemagazins Alliteratus.

 

www.alliteratus.com


Oktober 2013: Stadtbibliothek am Lindener Markt in Hannover

Das schreibt Bärbel Hilbig von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zur Lesung:

 

Verliebt in Hannover

 

Mit ihrem deutsch-türkischen Jugendroman wurde Deniz Selek bekannt. Jetzt schreibt die gebürtige Hannoveranerin über eine afrikanisch-deutsch-türkische Patchwork-Familie.

 

In Hannover spielen Jugendbücher eher selten. Doch Autorin Deniz Selek erscheint es naheliegend, ihre Geschichten hier anzusiedeln, hat sie bisher doch einen Großteil ihres Lebens in der Stadt verbracht. Und so gibt es für Kenner immer mal wieder kleine vertraute Sequenzen, wenn eine Schule am Maschsee oder das Oktoberfest zum Handlungsort werden.

 

In Berlin, wo Selek seit gut zwei Jahren mit ihrer Familie lebt, schütteln sie an solchen Stellen mit den Köpfen. Die 46-Jährige wird dann kämpferisch – es geht um eine ihrer beiden Heimatstädte, die andere, ungleich glamourösere – Istanbul – hat in ihren Büchern ebenfalls einen Stammplatz. Die Bezugnahme auf vertraute Wege und Orte ist Selek wichtig. „Es kommt gar nichts anderes infrage. Ich bin hier noch verwurzelt.“ Mögen die Berliner denken, was sie wollen.

 

In der Stadtbibliothek Linden las Selek am Dienstag aus ihrem neuen Buch „Heartbreak-Family. Als meine heimliche Liebe bei uns einzog“, dem ersten Band einer Trilogie. Und die zierliche Autorin, in Jeans und aktualisiertem Hippie-Folklore-Stil, erscheint wie die Personalisierung der Mutter im Roman. Eine lebendige, witzige Person, die jünger wirkt, als sie ist, und sich nicht scheut, ohne Absprache Kleidungsstücke ihrer Tochter auszuleihen. Jannah, die Hauptfigur des Romans, ist natürlich genervt, wie sollte es anders sein.

 

Selek geht bei der Konstruktion ihrer Geschichten meist zunächst von eigenen Erfahrungen aus. Für „Heartbreak-Family“ diente ihre eigene Patchworkfamilie als Grundkonstellation. Selek hat eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater, ihr Partner stammt aus einer binationalen deutsch-afrikanischen Familie. Die vier Kinder, teils gemeinsam, teils aus den vorherigen Ehen, haben folglich unterschiedliche Hautfarben und Familiengeschichten. Im Roman entsteht der Hauptkonflikt, weil Jannah heimlich in ihren zukünftigen Patchworkbruder verliebt ist. Selek schildert lebensnah und mit Witz Eifersüchteleien zwischen (Fast-)Geschwistern, Ärger mit Lehrern und Konflikte mit der Polizei. Der warme Grundton der Erzählung kommt bei Mädchen und ihren Müttern offenbar gleichermaßen an. Im Publikum saßen die Zuhörerinnen meist im Duo, fast alle Fans des Erstlings „Zimtküsse“.

 

Im ersten Roman hat Selek stärker auf ihre eigene Biografie zurückgegriffen, auf die Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen, mit der sie als Jugendliche kämpfte. „Dieses Gefühl des Nichtzugehörigseins haben unsere Kinder eigentlich nicht mehr.“ Seleks Eltern waren mit ihr als Baby nach Istanbul gezogen, wo sie drei Jahre lebte, bis die Familie nach Hannover zurückkehrte. Sie lernte zuerst Türkisch, die frühen Eindrücke weckten eine tiefe Sehnsucht in ihr. Dennoch wollte sie als Erwachsene nicht mehr für längere Zeit in die andere Heimat gehen. „Ich habe als Jugendliche gemerkt, dass ich in Deutschland sehr viel freier und selbstverständlicher leben kann.“

 

Sie hatte mit einem Verlag darüber gesprochen, ob ihr Multikultiroman auch in der Türkei erscheinen könnte. „Aber das geht an der Realität der Mädchen dort weit vorbei.“ Selek ist unsicher, wie ihre Bücher hier bei Einwandererkindern ankommen, die nach traditionellen Vorstellungen erzogen werden. Vor Kurzem las die Autorin in der Rütli-Schule, die vor einigen Jahren wegen Gewalt und Gettobildung in die Schlagzeilen geriet. „Da saßen arabische Jungs, richtige Schränke, die mir sehr differenzierte Fragen gestellt haben.“ Selek sieht das als gutes Zeichen: Der Wirbel um die Schule hat zumindest dort vieles verändert.

 

 

Oktober 2014 Campus Rütli: Rezension von Catbooks:

 

Letzten Donnerstag war es endlich soweit! Die wunderbare Deniz Selek, deren erstes Buch “Zimtküsse” ich wahrlich verschlungen habe, hat nun ihre zweite Lesung in Berlin gehabt! 

Die Lesung fand, wie auch bei “Zimtküsse”, in den Räumen des Rütli-Campuses in Berlin-Neukölln statt. Jedem, dem ich davon erzählt habe, ist immer etwas skeptisch, denn vor nicht all zu lange Zeit, war diese Schule mit nicht gerade positiven Schlagzeilen in den Nachrichten, doch sowohl die Lehrer als auch die Schüler, die bei der Lesung vertreten waren, zeigen ganz klar, dass der Ruf der Schule weit überholt ist! Die Schüler haben durch ihre Fragen am Ende der Lesung enorm dazu beigetragen, dass auch diese Veranstaltung wieder ein voller Erfolg wurde!
Doch natürlich auch Deniz Selek selbst war großartig, denn durch ihre tolle Art und Weise vorzulesen, wurde es erst so schön… Ich habe immer einige Probleme mit dem Zuhören, daher gehe ich nicht so oft zu Lesung, wie ich es eigentlich möchte. Nach kurzer Zeit schalte ich oft ab und bin dann nicht mehr so aufnahmebereit. :( Nun gehört auch Deniz Selek zu den Leserinnen, denen ich jeder Zeit gerne zuhöre. ;) Bei ihr hatte ich Null Probleme, sie hat mit viel Herz, Gefühl und Witz vorgelesen, dass, wie sollte es anders sein, alle an ihren Lippen hingen und mit viel Freude der Geschichte gelauscht haben. ;)

Da ich das Buch auch nur ein Tag vor der Lesung angefangen hatte, war ich auch voll drin und war sehr froh, dass meine innere Betonung mit der von Deniz Selek übereingestimmt hat. Das ist doch immer viel wert! *hihi* Ich bin wirklich froh, dass ich diese liebenswerte und lebenslustige Autorin kennenlernen durfte, die es einem auch nicht übelnimmt, wenn man mit einem der Hauptcharaktere noch nicht so warm geworden ist! ;)  ♥ 

Neben der Vorstellung der Autorin, der Lesung und den vielen Fragen der Schüler, gab es am Ende noch eine kleine Verlosung, in der die Schüler 5 Exemplare gewinnen konnten. Eine schöne Idee des Verlages!

Zum Schluss habe ich natürlich auch noch meine beiden Bücher “Zimtküsse” (oben) und “Heartbreak-Family” (unten) signieren lassen!

Nun freue ich mich schon auf den zweiten Teil der Reihe, der nächstes Jahr im Frühling erscheinen wird – auf gehts in die Türkei! :D

Oktober 2013 Alliteratus über Heartbreak Family (Kismet 1)

Astrid van Nahl

 

Beim Namen Deniz Selek muss man aufmerksam werden. Nur ein Jahr liegt ihr großartiger Roman Zimtküsse zurück, in dem sie so überzeugend von einem Mädchen erzählte, das in zwei Kulturen zu Hause ist oder vielleicht auch in keiner so ganz: Selbstfindung und Selbstbehauptung, Konflikte in der Familie und Freundeskreis, die Suche nach Vorbildern und letztlich nach dem eigenen Ich, das waren die Themen, die faszinierten.
Und nun also Heartbreak-Family mit dem Untertitel „Als meine heimliche Liebe bei uns einzog“. Rosa Herzchen auf dem Cover, scherenschnittartig ein Liebespaar, hinter dem sich sternförmig eine Blüte (?) entfaltet, und schließlich noch ein eher oberflächlicher Covertext weisen das neue Buch ins leichte Genre Liebesroman für Teenies, und mich überkommt ein leises Unbehagen, gerade weil das erste Buch so überaus beeindruckend gut und anspruchsvoll war. Aber ich bin leider weit entfernt von der angesprochenen Altersgruppe — mag sein, dass die das Buch optisch gelungen findet. Nun gut; sooo schrecklich ist dieses hier nicht, aber es ist in meinen Augen einfach falsch. Denn auch Heartbreak-Family  ist ein ganz wundervoller, tiefgehender Roman, den vielleicht manche(r) nicht lesen wird, weil man sich nach der Aufmachung etwas anderes, Seichteres vorgestellt hat.


Zitat: 'Ich wusste nicht, ob ich jemals mit meiner Mutter so ein gutes Gespräch geführt hatte. Sie hatte eine Seite von sich offenbart, die mir völlig fremd war und die ich sehr mochte. Mir wurde bewusst, dass meine Mutter mutig war, viel riskierte für ihr Glück. Das bewunderte ich plötzlich. Sie war cool. Sie hatte nicht nur Antalya verlassen, um in Deutschland zu studieren, sie hatte sich hier ganz allein ein eigenes Leben aufgebaut, auch gegen den Widerstand ihrer Eltern. Sie hatte sich von niemandem reinquatschen lassen und nun auch noch so was wie eine bunte Patchworkfamilie gegründet.'
 
Wieder also ein Roman, der das „Befangensein“ in unterschiedlichen Kulturen thematisiert und auch die Hilflosigkeit zeigt, damit in einem bestimmten Alter fertig zu werden. Damit die Botschaften, die Erkenntnisse bei den Lesern, vor allem Leserinnen, gut ankommen, verpackt Deniz Selek die Probleme in eine scheinbar locker zu lesende Liebesgeschichte. Vielleicht gibt es ein paar Leserinnen, die die Erzählung tatsächlich auf dieser oberflächlicheren Ebene lesen, und auch das hat seine Berechtigung. Aber seine ganze Bedeutung, vom Inhalt wie vom literarischen Anspruch her, offenbart sich nur dem, der sich gedanklich und emotional einlässt auf ein Mädchen, das ehrlich versucht, seine Sehnsüchte und Hoffnungen an das Leben mit den Vorstellungen in Einklang zu bringen, die in unterschiedlichen Kulturen ohnehin auseinander gehen.
 
Was für ein Glück, dass dieses schwierige Thema eine so großartige Erzählerin gefunden hat, die nicht einfach das Erzählen versteht, sondern die zudem noch weiß, wovon sie spricht: In Hannover geboren und in der Türkei aufgewachsen, lebt sie seit langem mit ihrer Familie in Berlin; und der Vor-Satz, dass für die frei erfundene Heartbreak-Family-Geschichte  ihre „wunderbar einzigartige, knallbunte Patchworkfamilie“ die Idee (mehr nicht) lieferte, zeugt von einem weiteren subjektiven Erfahrungsbereich, der nicht nur der Handlung, sondern vielmehr den Charakteren und ihrer inneren Darstellung zugute kommt.
Dabei geht Heartbreak, was die unterschiedlichen Kulturen angeht, noch einen Schritt weiter als die Zimtküsse: Die Geschichte von Jannah, der weiblichen Hauptperson, die in Ichform erzählt, spielt in Deutschland, aber ihre Mutter stammt aus der Türkei. Sie will nun mit Sebastian zusammen ziehen, den Jannah (zunächst) respektlos und abwertend Sepp nennt. Sepp stammt aus Afrika und ist braun wie Schokolade, braun wie sein Sohn Ken, für den so viele Mädchen schwärmen — so auch Jannah. Da geht es wirklich um Toleranz und Akzeptanz, erstens wegen der vielen Nationalitäten und zweitens ganz einfach wegen der Patchworkbeziehungen, die dadurch erschwert werden, dass Jannah sich in Ken verliebt. Ein Liebesroman ist das Ganze aber trotzdem nur an zweiter Stelle und deshalb — so viel sei verraten — gibt es auch nicht das vielleicht erwartete Happy End, obwohl das Ende sehr befriedigend ist und viele Möglichkeiten offen lässt, wie das richtige Leben auch.
Vielleicht ist es gerade das, was den Roman so wertvoll macht: Die Erzählung vom Erwachsenwerden in nicht ganz einfachen Verhältnissen, die auch künftig Schwierigkeiten versprechen, aber wenn schon nicht Lösungen parat haben, so doch sehr gangbare Wege aufzeigen. Die Suche nach dem eigenen Weg in die Zukunft ist zugleich der Weg in die Vergangenheit, wo Jannah nicht nur sich selbst in ihren Erinnerungen begegnet, sondern vor allem der Mutter als junge Frau — nicht die Rückkehr zu, sondern die Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln, die zu einem neuen Verhältnis der beiden Frauen führen und Jannah reifen lassen.
Eine Geschichte über große Gefühle, treffsicher, einfühlsam und subtil, frei von Ressentiments und Resignation, wo man sie vielleicht erwartet haben könnte; eine ernste und manchmal bei aller Heiterkeit  (man denke an das schöne Inhaltsverzeichnis am Ende des Buches, mit viel Sinn für Situationskomik) auch ein bisschen traurige Geschichte, so erzählt, dass man immer trotzdem lächeln und lachen muss.
Ein wunderbar buntes Buch, das einen berührt wie das Leben selbst.

 

Astrid van Nahl ist eine deutsche skandinavistische Mediävistin, Publizistin und Übersetzerin. Sie ist derzeit tätig als Lehrbeauftragte an der Universität Bonn, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an religionswissenschaftlichen Projekten und Publikationen an der Universität Uppsala, „chief-Editor“ bei Mouton de Gruyter sowie Chefredakteurin und Mitbegründerin des Onlinemagazins Alliteratus.

 

www.alliteratus.com

Oktober 2013 Natura Buchhandlung Kleinmachnow:

Jedes Mädchen kennt es. Und jede Frau erinnert sich an das Gefühl:

Schwärmen! Schwärmen für diesen einen tollen Jungen.

Der einfach das schönste Lächeln hat. Und ganz anders ist als die Anderen! Und überhaupt der Coolste ist.

So cool, dass er noch nicht einmal eine Ahnung hat, dass man überhaupt existiert.

Dabei weiß man selbst doch so viel über ihn!

Und hat schon jede Bewegung, jeden zufälligen Blick ganz genau mit der besten Freundin durchanalysiert!

 

Jannah geht es genau so. Sie ist in Ken verliebt. Der keine Ahnung hat, wer Jannah überhaupt ist.

Aber das wird sich bald ändern. Denn auch Jannahs Mutter ist verliebt und sie möchte mit ihrem Freund zusammenziehen.

Und der Freund ist kein anderer als der Vater von Ken und dessen Schwester Merrie. 

Aber während Jannah Ken wahnsinnig süß findet, kann sie dafür Merrie überhaupt nicht leiden und die sie ebenso wenig.

Daher sind Spannungen vorprogrammiert, als sich diese drei plötzlich in einer Wohnung wiederfinden, zuallererst auch noch alle ein Auge auf das gleiche Zimmer geworfen haben und dann ihre Eltern beim turteln beobachten müssen! Jannah, die eigentlich glaubte, dass zwischen ihren Eltern trotz Trennung noch immer Funken sprühen, findet nicht nur den neuen Freund ihrer Mutter nicht toll, sondern die ganze Wohnsituation!

Ihre Gefühle fahren Achterbahn und als Leser kann man sie oft nur allzu gut verstehen.

 

Süßer, lustiger, aber auch sehr wahrer Einstieg in die Geschichte von Jannahs Familie, die dem Begriff Patchwork nicht nur durch ihre ganz unterschiedlichen Charaktere alle Ehre machen, sondern auch noch wegen ihrem Multikulti-Background!

Denn während Jannah türkische Wurzeln hat, kommt Kens Vater aus Afrika.

Ich freue mich schon sehr darauf, mehr von Jannah und ihrer Familie zu lesen!

 

Nicole Haarhoff

Oktober 2013 A. Busch:

 

"Heartbreak-Family" bricht die Herzen nicht – es heilt sie. Das Buch ist ein Geschenk an alle, die in dieser modernen Welt die Familie als solche längst verloren glaubten. Ein wunderbarer Jugendroman rund um das Stichwort "Patchwork-Familie".

Deniz Selek beschreibt turbulent und sensibel, kunterbunt und zart, wie Familie in der Gegenwart wirklich geht. Alles ist möglich. Sie verbandelt Nationalitäten, steckt zwei Mädchen unter ein Dach, die bei jeder Begegnung an ihre zickigen Grenzen geraten und setzt einen Jungen dazu, der ebenso cool wie liebevoll ist und manchmal knapp außerhalb der legalen Spur wandelt. Dazu gibt es Erwachsene, die sich verlieben und Kinder bekommen – noch mehr Kinder! Und das alles ist dann Familie. Tatsächlich Familie. Eine solche, die zusammen lacht. Die sich anschreit und voreinander flüchtet. Die sich hilft und umarmt. Deren Mitglieder nachts in die Kissen heulen und morgens Tee zusammen trinken. Und wo einer sogar in den anderen verliebt sein kann. Ein bisschen unglücklich vielleicht. Aber auch ein bisschen glücklich. Weil: Ein bisschen Bruder ist eben besser als gar nichts. Oder geht doch irgendwann mehr? Zwischen Patchwork-Bruder und Jannah, der offenherzigen Protagonistin? Man will es unbedingt wissen. Und man ist froh, dass es einen nächsten Teil geben wird. Damit es endlich weitergeht, mit dieser erfrischenden Familie, die Herzen nicht bricht, sondern erobert.

Man wünscht sich, in dieser Familie zu leben!

April 2013: Mein Steckbrief bei 'Quergelesen' vom RBB

Dezember 2012: xtoff

Ok.
Ich bin nun wirklich nicht Zielgruppe. Plötzlich lag es also da und ich beginne mit dem Lesen. Es ist schön. Deniz nimmt einen bei der Hand und schnell liebt man die kleine Hauptperson, hört deutlich ihre Stimme, die einen unaufhörlich weiterzieht, nach Istanbul und zurück nach Hannover... und auf eine Party und zurück in die eigene Jugend...der ersten Liebe, dem Herzklopfen, usw ... und dann... ist das Buch zu Ende und man sagt...warum? warum schon jetzt, kann ich noch 500 Seiten bekommen, bitte!??

 

 

 

Dezember 2012: ZDF Morgenmagazin mit Buchtipps zu Weihnachten

November 2012 Alliteratus

 

Ein Beitrag von
Astrid van Nahl zu Zimtküsse
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Ehrlich gesagt: Das Buch lag länger bei mir herum, als ich es nach der Lektüre verstehen konnte, aber das überladene Cover schreckte mich ab. Das hübsche Mädchengesicht verziert mit gemaltem Schnurrbart, verschiedene Schriftfonts in unterschiedlichen Farben, dazu die ganze Seite von oben bis unten bis Ornamenten und Schnörkeln aller Farben verziert – so ähnlich stellt man sich vielleicht die orientalische Atmosphäre in 1001 Nacht vor. Diesem Buch wird das Cover in keiner Weise gerecht, es bleibt ohne Bezug, nichtssagend.


Und das ist schade, denn es ist ein ganz großartiges Buch, das nur jemand schreiben konn-te, der in beiden Kulturen, in Deutschland und in der Türkei, zu Hause ist. Deniz Selek er-zählt humorvoll, mit einem Teil Selbstironie, spannend, flott, man glaubt ihr an jeder Stelle das Mädchen, von dem sie in diesem Buch ein eindrucksvolles Porträt entwirft. Und ebenso stimmig wie die Personen sind die Gegenden, die Landschaften, die Kulturen, die in dem Buch vorkommen werden und die lebhaft und schillernd vor unseren Augen entstehen, gerade so, als wären wir selbst dabei und gingen durch diese Straßen und Häuserfronten, in Deutschland und in Istanbul.


Nichts deutet zu Beginn darauf hin, dass sich bald tiefgehende Änderungen in Sahras Le-ben vollziehen werden. Eine deutsche Mutter und ein türkischer Vater, eine heile Familie; die beste Freundin, zum ersten Mal verliebt, der ganz normale Schulalltag mit Frotzeleien und Vokabeltests. Aber genau da trennt sich Sahras Mutter von ihrem Mann und zieht aus. Sie hat sich verliebt und möchte endlich ihr Leben leben. Und die Person, die sie liebt, ist nicht etwa ein Mann, sondern eine andere Frau. Eine Welt bricht für Sahra zusammen, sie hasst die Mutter. Und plötzlich scheint alles im Leben schief zu gehen. Tiago, ihr neuer Nachbar nervt; sie verhaut den Vokabeltest und zerstreitet sich mit Katta, der Freundin. Das Gefrotzel erträgt sie nicht mehr – aber plötzlich weiß sie, was sie tun muss: Nach Istanbul fahren, zu dem türkischen Teil der Familie, zu Babaanne, ihrer Großmutter. Eintauchen in das fremde Land mit seinen eignen Problemen und das derzeit bescheidene Leben, das sie in Deutschland führt, zurücklassen, ihren Kummer einfach vergessen.


Aber kann man seinen Kummer einfach vergessen, indem man vor ihm flieht? Eine Zeitlang schon, merkt Sahra. Aber dann kommt der Tag, an dem man sich ihm stellen muss, und Sahra weiß, es wird Zeit, nach Hause zurückzukehren…

Es ist ein eindrucksvoller Roman, der in jeder Hinsicht zu überzeugen vermag. Nur selten gelingt es jemandem so gut, die Personen so überzeugend, so authentisch darzustellen, sie als Individuen zu schaffen, egal ob Jugendliche oder Erwachsene. Das gefällt besonders an dieser Geschichte: Sie alle stehen gleichberechtigt nebeneinander mit ihren Lebensvorstellungen und Sehnsüchten und Bedürfnissen; hier wird nichts schön geredet, sondern Klartext gesprochen, auch wenn es weh tut, hier erlebt der Leser die Gefühle aus unmittelbarer Anschauung, wie ungefiltert. Es ist eine souverän erzählte Familiengeschichte und zugleich ein berührendes Buch über das Lieben und Größerwerden, das Scheitern und Wachsen an den Steinen, die auf dem Weg liegen.
Deniz Selek gelingt nahtlos eine wertfreie Schilderung, die dem Lesenden eigene Meinungsbildung ermöglicht, ihm keine Lösungen serviert, ihn aber auch nicht ganz ohne Antworten lässt. Es ist eine Geschichte, in der die Verzweiflung ebenso ihren Platz hat wie die Hoffnung. Themen tauchen auf, die alle Heranwachsenden berühren, Themen wie Selbstfindung und Selbstbehauptung, Konflikte in der Familie und Freundeskreis, die Suche nach Vorbildern und letztlich nach dem eigenen Ich.
Zweifellos eine Erzählung, der man ein großes Lesepublikum wünschen möchte – eine ganz dringende Leseempfehlung!

 

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November 2012: Zimtküsse Buchvorstellung von Günter Strempel

Am vergangenen Sonntag gab es eine wunderbare Buchvorstellung von Günter Strempel für Buchhändler und Bibliothekare vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, und 'Zimtküsse' war auf der Empfehlungsliste! Und ich unter den Lauschenden. Günter Strempels lobende Worte gingen runter wie Honig, sodass ich sie unbedingt hier erwähnen muss:

"Was die 'Zimtküsse' betrifft, so bin ich Ihnen wirklich sehr dankbar dafür, dass Sie mir - und hoffentlich auch vielen anderen LeserInnen - so ein wunderbares Buch beschert haben! Was es bietet, kommt tatsächlich äußerst selten vor:
Eine äußerst unterhaltsame Geschichte, die so erzählt wird, dass Leser an keiner Stelle Belanglosigkeiten aushalten müssen. Ich glaube, darin liegt auch ein wesentlicher Grund für das von Frau Schimming beschriebene Gebanntsein der jungen Zuhörer bei Ihrer "Rütli-Lesung". Man spürt beim Lesen - und wahrscheinlich noch stärker beim Zuhören - dass es Ihnen ernst ist mit dieser Geschichte und dass unter der Oberfläche starke und sehr schöne Gefühle wirken.

Einen für mich ganz entscheidenden Punkt will ich noch nennen und das ist die Sprache. Sie ist einfach, aber kraftvoll. Mit wenigen Strichen zeichnen Sie Menschen und Situationen so, dass bunte, sehr lebendige Bilder entstehen. Toll! - Sahras Geschichte wirkt gerade deshalb authentisch, weil Sie es fertigbringen, die in vergleichbaren Romanen wild wuchernden Zitate des Jugendjargons einfach wegzulassen."

 

Zur Person: Der Verleger Günter Strempel war zehn Jahre lang Mitinhaber der Buchhandlung „Leselust“ in Berlin. Er ist seit vielen Jahren als Referent für den Börsenverein des deutschen Buchhandels tätig, hält Seminare für Buchhändler und Verleger in Osteuropa und bespricht regelmäßig aktuelle Kinder-und Jugendbücher.

 

http://www.guenter-strempel.de

 

 

Oktober 2012 Jürgen Schmidt über Zimtküsse

 

Die vierzehnjährige Sahra erfährt, dass die Ehe ihrer Eltern kaputt ist, weil ihre Mutter plötzlich eine andere Frau liebt. Das soll einer verstehen, denkt Sahra. Überhaupt läuft derzeit einiges schief: ihre beste Freundin bändelt mit Karl an, obwohl Katta genau weiß, dass Sahra längst ein Auge auf ihn geworfen hat. In ihrer ersten Verzweiflung reist sie noch vor Ferienbeginn nach Istanbul um Cousinen, Onkel, Tante und die geliebte Großmutter zu besuchen und um sich dort abzulenken. Denn Istanbul ist laut und dreckig und nebenbei die schönste Stadt der Welt.

 

Sahra wird gegen Ende der Reise von der Babaanne, wie die Oma genannt wird, während eines gemeinsamen Ausflugs auf die vorgelagerte Insel Büyükada ins Vertrauen gezogen. Auch sie liebte einst einen Anderen, einen inzwischen verstorbenen Kapitän aus der Nachbarschaft. Sie wären füreinander bestimmt gewesen, das hätten beide sofort gewusst. Tradition, Pflichtbewusstsein und Anstand verboten es, dieser Liebe zu folgen, denn die Großmutter war bereits verheiratet. Sie war verheiratet worden und hat sich trotzdem mit allem gut arrangieren können. Die Babaanne hat dieses Geheimnis auch ihr Leben lang für sich behalten, nur Sahra weiß es jetzt. Die Autorin lässt die alte, weise Frau einfach erzählen und verzichtet wohlweislich auf überflüssiges Moralgeplänkel. So etwas finden wir übrigens nirgendwo.

 

Auch der verlassene Vater in Hannover spricht nach anfänglichem Zögern mit der durchaus reifen Tochter über sein Innenleben. Er macht das beschämt, etwas unbeholfen – ist aber trotzdem ungewöhnlich für einen türkischen Vater, auch wenn er durch und durch „europäisch“ eingestellt ist.

 

Deniz Selek versteht es, ein für Jugendliche bestimmtes Buch (warum eigentlich?) auch für Erwachsene interessant und spannend zu erzählen. Sie macht das mit dosiertem Witz sowie einer lebendigen, zeitgemäßen und glaubhaften Sprache. Man kann sich in jeder Situation sehr gut in Sahra hinein versetzen, mit dem Mädchen leiden und Freude empfinden. Ebenso kann man sich das hektische Treiben auf der Bagdadstraße oder auf den Basaren von Eminönü bildhaft vorstellen und möchte dabei am liebsten ständig einen dieser warmen, nach Sesam duftenden Simits probieren. Oder dieses komische Getränk namens Boza. Natürlich exakt so, wie von der grünäugigen Sahra zubereitet: mit einer Extraportion Zimt für den Schnurbart!

 

Abwechslungsreich wie bunte Glassteinchen ist diese kurzweilige Erzählung, die gar nicht so traurig endet. Die Babaanne aus dem Buch würde Deniz Selek zurufen: Hastu sehr gutt gemacht, Güzelim!

 

Homepage von Jürgen Schmidt

 

Oktober 2012

 

Oh WOW! Ich stehe auf der Empfehlungsliste des Saarländischen Rundfunks und Radio Bremen!!

 

Zimtküsse

Sahra ist total durch den Wind: Erst verliebt sich ihre Mutter in eine Frau und dann steht auch noch die beste Freundin auf Sahras Schwarm! Zum Glück darf sie in den Ferien zu ihren Verwandten nach Istanbul. Sahra ist begeistert von der türkischen Metropole, dem Chaos und den umtriebigen Menschen. Und plötzlich fühlt sie sich bereit für die Probleme zu Hause.
Starke Geschichte übers Erwachsenwerden mit einer wahrhaftigen Heldin – bleibt im Kopf und im Herz!

 

Liebenswerte Geschichte von Deniz Selek
erschienen im Fischer Schatzinsel Verlag 2012
ab 12 Jahren, 13,99 Euro

 

Empfehlungslisteliste des Saarländischen Rundfunks und Radio Bremen Herbst 2012

September 2012 Letteraturen/Letterata.de

 

Zwischen den Welten

 

Berlin-Neukölln, Campus Rütli, ein lauer Spätsommerabend. Die verkehrsberuhigte Rütlistraße präsentiert sich schon fast als Idyll. Kinder spielen im Jugendtreff, auf dem Sportplatz läuft eine Partie Basketball. In der Kleingartensiedlung “Hand in Hand” ist gerade gar nichts los, an einer Brandmauer steht “Kotz Kölln”. Die Gewalt, die hier noch vor einigen Jahren herrschte, ist an diesem Abend nicht mehr zu spüren. Der Campus Rütli, der unter der Schirmherrschaft von Christina Rau, Witwe von Bundespräsident Johannes Rau, weiter ausgebaut wird, wandelt sich: Die Schüler schrauben an alten Porsche-Traktoren oder musizieren im Schulorchester. Die S. Fischer Stiftung unterstützt die Kids mit Aktionen wie “Fußball trifft Kultur” – erst kicken, dann lesen. Und nun gab es eine Premiere: Im Rahmen der “Woche der Sprache und des Lesens in Berlin” las Deniz Selek in der Mensa der Schule aus ihrem druckfrischen Roman Zimtküsse. Und richtig viele Schüler waren gekommen.

Man hätte vermuten können, dass das junge Publikum, vor allem die Jungs, bei der Lesung eines ausgesprochenen Mädchenbuches, herumalbern oder stören würden. Doch Fehlanzeige: Gebannt lauschen die etwa 80 Zuschauer der deutsch-türkischen Autorin, für die dieser Abend eine doppelte Premiere ist. Es ist ihre erste Lesung aus ihrem Debütroman – und Deniz Selek meistert das Ganze mit Bravour. Sie liest engagiert und mit Herzblut. Kein Wunder, dass die Jugendlichen ihr an den Lippen hängen und sie hinterher mit Autogrammwünschen bestürmen und den kleinen Büchertisch fast leerkaufen. Zu diesem Erfolg trägt natürlich auch Seleks unterhaltsam leichter Roman bei.

Darin erzählt sie die Geschichte der 14-jährigen Sahra. Ihr Vater ist Türke, Maschinenbauingenieur und der beste Papa der Welt, ihre Mutter ist Deutsche – und hat sich gerade in eine andere Frau verliebt. Sahras Welt steht Kopf. Hinzu kommt, dass ihre beste Freundin Katta nur noch Augen für Henry hat. Sahra hält das alles nicht mehr aus und flüchtet zu ihrer Großmutter nach Istanbul. Dort taucht sie zusammen mit ihren Cousinen Daria und Sema in das Getümmel der Großstadt ein, dort, wo internationale Kaffee-, Parfum- und Bekleidungsketten auf kleine Läden aus 1001 Nacht treffen, wo die Mädchen Liebesschlösser und bunte Perlenbänder für Gelübdebäume kaufen.  Sahra staunt, genießt und kämpft mit den beiden Welten, in denen sie lebt. Dort, wo sie gerade ist, fehlt ihr die andere Welt. Ist so etwas schon für Erwachsene eine Herausforderung, wird das für ein pubertierendes Mädchen zu einer existenziellen Erfahrung: Wer bin ich? Wo und wie will ich leben? Was prägt mich? Sahra erlebt die Sehnsucht und die Erfahrung, sich ständig entscheiden zu müssen, obwohl sie das eigentlich gar nicht will. Und sie erfährt die Liebe und Zuneigung von ihren Eltern, ihrer Großmutter, ihren Cousinen und ihren Freunden. Und Tjiago aus dem dritten Stock, Zuhause in Deutschland, scheint doch gar nicht so übel zu sein, wie anfangs gedacht …

Deniz Selek erzählt diese wichtigen Alltagsgeschichten, die zur Identitätsfindung Jugendlicher gehören, mit souveräner Leichtigkeit. Ihre lockere Sprache trifft genau den Ton der Teenager, die eingewebten türkischen Begriffe zeugen von der Verquickung der beiden Welten, in denen die Protagonistin lebt – und eben auch viele der zukünftigen Leserinnen. Seleks Liebe zu Istanbul, wo sie selbst viele Jahre gewohnt hat, ist in jeder Szene zu spüren. Ihre eigene Erfahrung als Halbtürkin in Deutschland spiegelt sich im Roman und verleiht ihm die nötige Authentizität. Die Autorin zeigt, dass im Einwanderland Deutschland das Leben in zwei Kulturen zur Normalität gehört. Und gerade diese Normalität, zu der auch der raue, gewalttätige Umgangston in der Schule gehört, macht die Stärke dieses Buches aus.

So wie die Lesung auf dem Campus Rütli, bei der übrigens auch Christina Rau anwesend war, ein tolles Beispiel war, wie man die Kids zum Lesen animiert, so ist Zimtküsse ein total liebenswertes Romandebüt, perfekt gelungene Unterhaltung und allerbestes Lesefutter.

Deniz Selek: Zimtküsse, Fischer Schatzinsel, 2012, 288 Seiten, ab 12, 13,99 Euro